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Mit 17 traf ich die Liebe meines Lebens - sie blieb es bis heute

Auch mit fast 80 höre ich nicht auf, meine Träume zu leben.

Von Sigrid Armbruster

Mit siebzehn hat man noch Träume«, heißt es in einem Schlager aus den Sechzigern. Auch ich, fast 80-jährig, habe noch Träume - in der Hoffnung, dass der eine oder andere Traum noch in Erfüllung geht.

Als Arbeiterkind musste ich, obwohl ich es nicht wollte, die Oberschule besuchen. Dort lernte ich meinen Traumpartner kennen, der es bis heute geblieben ist. Im anschließenden Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig erhielt ich das Rüstzeug für meinen Traumberuf Lehrerin, in dem ich auch bis zur Erreichung des Rentenalters arbeiten konnte.

Mit dem Beginn der Berufstätigkeit wuchs der Wunsch, eine Familie zu gründen, wofür eigentlich nur noch eine Wohnung fehlte, die aber zu dieser Zeit in der DDR noch ohne Kinder gar nicht so einfach zu bekommen war. Es folgten viele Behördengänge und Eingaben, bis wir endlich - zwar keine Traumwohnung - die eigenen vier Wände, wenngleich ohne Bad und mit Plumpsklo auf halber Treppe, beziehen konnten. Bald folgte unser erstes Wunschkind.

Als die Häuser gegenüber der Kaserne für sowjetische Offiziersfamilien gebraucht wurden, kamen wir, schneller als gedacht, zu einer Neubauwohnung mit Bad, aber immer noch mit Ofenheizung und ohne Kinderzimmer. Erst mit der Mitgliedschaft in der AWG konnten wir auf eine größere Wohnung hoffen. Täglich gingen wir auf dem Weg zur Arbeit an einem im Bau befindlichen Wohnblock mit Zweieinhalbzimmerwohnungen und Balkon vorüber, in dessen oberster Etage man auf einer Seite einen traumhaften Blick auf den Wald und von der anderen Seite auf die Stadt und ins Elstertal bis hin zur berühmten Elstertalbrücke hätte. Als die Wohnungen zuteilungsreif waren, wurden sie verlost. Das Los beschied uns unsere Traumwohnung und unser zweites Wunschkind.

In den Neunzigern wurden unsere Häuser saniert und mit Fernwärme versorgt, so dass keine Briketts mehr, sondern nur noch die Einkäufe bis ins vierte Geschoss zu tragen waren und es keinen Grund gibt, außer wenn es das fortschreitende Alter gebietet, auszuziehen - selbst wenn der Blick auf die Stadt inzwischen wegen der gewachsenen Bäume eingeschränkt, der ins Tal aber nach wie vor erhalten ist.

Der Traum, als DDR-Bürger einmal in »den Westen« reisen zu dürfen, wurde mit der Wende Realität, da ich Verwandte im Schwarzwald und anderswo in der alten Bundesrepublik hatte, die meinten, dass unser »Trabi« auch ein Auto sei.

Unser Großer erfüllte sich und seiner Frau einen Hochzeitstraum mit der Fahrt in einer weißen Kutsche zum Standesamt und zur anschließenden Hochzeitsfeier.

Die Söhne haben längst selbst Familien gegründet. Alle haben Arbeit. Auch die älteren Enkel haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen, während die jüngeren noch zur Schule gehen. Eigentlich fehlen zur Traumfamilie jetzt nur nur noch Urenkel.

Aber es gibt natürlich auch unerfüllte Wünsche. Den Traum meines Mannes, ein Cabrio zu fahren, machte ich nach einer Probefahrt in solch einem Auto zunichte, indem ich meinte, nun zu wissen, dass es das für mich nicht ist. Auch ein anderer Traum meines Mannes, eine hunderttägige Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff zu unternehmen, wird nicht in Erfüllung gehen, weil ich nicht so lange von der übrigen Familie getrennt sein möchte. Und aus meinem Traum, Millionär zu werden, kann auch nichts werden, da wir keine Glücksspieler sind und das Flaschensammeln zu mühselig ist.

Im Krieg habe ich meinen Vater verloren und unser Zuhause wurde ausgebombt - so wie es inzwischen wieder vielen Menschen auf der Welt geht. Ich habe daher nur noch einen wirklich unerfüllten Traum: Frieden auf der Welt, Vernichtung aller Waffen und keine Produktion neuer. Es könnte so einfach sein und ist doch so schwer, der Profitgier des Kapitals zu trotzen.