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»Sehr, sehr verdächtig«

Geheime Proben russischer Fußballer belasten die WM

Frankfurt am Main. Auf die Fußball-WM in Russland fällt schon vor Beginn ein Schatten. Dopingproben mit auffälligen Werten von Nationalspielern aus dem vorläufigen WM-Kader Russlands sollen in der Vergangenheit nicht ausreichend verfolgt worden sein. Das berichtete die ARD am Sonntag in der Dokumentation »Geheimsache Doping - Russlands Fußball-Freunde«. Funktionäre des WM-Gastgebers werden verdächtigt, fragwürdige Befunde vertuscht zu haben, die 2014 von der Welt-Antidoping-Agentur WADA sichergestellt worden waren.

Der ARD sei dem Bericht zufolge aus Kreisen des Weltverbandes FIFA ein Dokument zugespielt worden - mit Nummern und zugeordneten Namen der getesteten Spieler. Im Dezember 2014 hatte die WADA im Moskauer Kontrolllabor 155 Proben von Fußballern beschlagnahmt, unter denen auch die der Nationalspieler sein sollen. Unklar ist, ob diese Dopingproben inzwischen auf alle nachweisbaren verbotenen Substanzen und Methoden nachgetestet worden sind. Die WADA hatte sie vor etwa einem Jahr der FIFA übergeben.

Die Proben seien unter anderem nach Spielen in russischen Ligen genommen worden und - sofern auffällig - vom Labor nicht öffentlich gemacht worden. Die Anweisung zur Vertuschung soll direkt von Ex-Sportminister Witali Mutko gekommen sein, sagte der frühere Leiter des Labors, Grigori Rodtschenkow der ARD: »Ich bekam 2008 die Order von Mutko, dass wir keine positiven Fälle im Fußball gebrauchen können.« Der Kronzeuge lebt in den USA und steht unter Zeugenschutz.

Weitere Hinweise hatte die WADA im Oktober 2017 in Form einer Datenbankkopie aus dem Moskauer Labor erhalten. Ihr Chefermittler Günter Younger stuft die sichergestellten Befunde daraus als »sehr, sehr verdächtig« ein. Die WADA leitete auch diese Ergebnisse an die FIFA weiter. »Wir werden ein sehr wachsames Auge darauf haben, dass entsprechend ermittelt wird«, so Younger.

Die FIFA teilte mit, dass die Ermittlungen noch andauern würden, aber »mit einem neuen Stand in den kommenden Wochen zu rechnen« sei. dpa/nd