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Deutsch-kurdische Sängerin festgenommen

47-jährige Kölnerin bei einem Wahlkampfauftritt für die HDP in Edirne festgenommen

Istanbul. In der Türkei ist eine Deutsch-Kurdin wegen angeblicher Terrorpropaganda in Untersuchungshaft genommen worden. Ein Gericht in der nordwestlichen Stadt Edirne ordnete am Dienstagabend bei einem Haftprüfungstermin an, dass die 47-jährige Saide Inac in U-Haft bleiben müsse, wie die Nachrichtenagentur DHA am Mittwoch meldete. Inac, die unter dem Künstlernamen Hozan Cane auftritt, war bereits am späten Freitagabend beim Wahlkampf der prokurdischen Linkspartei HDP festgenommen worden. »Unser Wahlkampf-Fahrzeug wurde angehalten und unsere Freundin Hozan Cane wurde festgenommen«, schrieb der HDP-Politiker Murat Amil auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Wie der HDP-Politiker am Samstag mitteilte, hatte die Sängerin in Edirne an einer Wahlkampftour teilgenommen. Laut DHA wirft die Justiz ihr »Terrorpropaganda« in den sozialen Medien vor. Dies ist ein verbreiteter Vorwurf für Unterstützer der HDP, der die Regierung Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorwirft. Vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am Sonntag hatte es dutzende Festnahmen wegen dieses Vorwurfs gegeben. Das Auswärtige Amt erklärte, ihm sei der Fall Cane bekannt.

Laut einem Bericht der »Deutschen Welle« sollen sich die Vorwürfe auf einen Film beziehen, bei dem die Künstlerin Regie geführt hatte. Darin setzt sie sich mit einem Massaker der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) an Jesiden im irakischen Sindschar-Gebirge auseinander. PKK-Kämpfer hatten der Minderheit damals bei ihrer Flucht vor dem IS geholfen.

Neue Verhaftungswelle in der Türkei

Unterdessen kommt es seit der Widerwahl Erdogans zum Präsidenten am Sonntag zu landesweiten Verhaftungen. Am Dienstag erwischte es 138 Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, am Mittwoch wurden schließlich 190 Soldaten festgenommen.

Bereits am Wahltag waren zudem drei Deutsche in der südöstlichen Provinz Sirnak festgenommen worden, die den Wahlablauf verfolgen wollten, jedoch keine offizielle Akkreditierung als Wahlbeobachter hatten. Wie das Auswärtige Amt am Dienstag mitteilte, wurden sie später wieder freigelassen. Auch mehrere Franzosen, Italiener und andere Ausländer, die den Wahlprozess überwachen wollten, wurden im Osten und Südosten vorübergehend festgenommen.

Bei der Wahl gab es zahlreiche Berichte über Unregelmäßigkeiten im kurdischen Südosten. Die OSZE-Beobachtermission kritisierte anschließend einen »Mangel an gleichen Bedingungen« für die Kandidaten im Wahlkampf, befand aber, dass die Regeln trotz etlicher Unregelmäßigkeiten »weitgehend eingehalten« worden seien. Auch die Opposition erkannte nach ersten Beschwerden den erneuten Sieg von Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Partei an. Agenturen/nd