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Hilfsschiffe in Malta festgesetzt

Während Seenotretter Verfahren fürchten, sterben im Mittelmeer Menschen

Von Fabian Hillebrand

Der Kapitän des Rettungsschiffs »Lifeline«, Claus-Peter Reisch, ist am Freitag erneut von der maltesischen Polizei befragt worden. Nach Angaben der Tageszeitung »Malta Today« wird damit gerechnet, dass er gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben darf.

Die »Lifeline« hatte erst am Mittwoch nach einer tagelangen Hängepartie die Erlaubnis erhalten, mit mehr als 230 Geflüchteten in den Hafen der maltesischen Hauptstadt Valletta einzulaufen. Die maltesische Regierung kündigte an, die Aktivitäten von Seenotrettungsorganisationen bis zum Abschluss der Ermittlungen gegen den »Lifeline«-Kapitän zu unterbinden. Laut »Malta Today« könnte dies bedeuten, dass auch die beiden anderen im Hafen ankernden Schiffe, die »Sea Watch 3« und die »Seefuchs«, bis auf weiteres nicht auslaufen dürfen.

Die Dresdner Hilfsorganisation hat die Vorwürfe der maltesischen Justiz gegen den Kapitän ihres Rettungsschiffes zurückgewiesen. »Wir sehen kein Fehlverhalten unseres Kapitäns. Wir warten jetzt zuerst die Anklageschrift ab«, sagte Axel Steier, Mitgründer der Organisation, am Freitag gegenüber »nd«.

Der Kapitän Claus-Peter Reisch soll am Montag für eine öffentliche Anhörung in Malta vor Gericht erscheinen, wie Steier mitteilte. »Welche Punkte genau vorgebracht werden, wissen wir bis dato nicht«, erklärte er. Außerdem wehrte er sich gegen den von verschiedenen Seiten vorgebrachten Vorwurf, die Hilfsorganisationen erleichtern Schleusern ihre Arbeit. Das sei eine »billige Ausrede dafür, die Leute ertrinken zu lassen«, meint er. »Den Schleppern ist es vollkommen egal, ob da draußen ein Schiff ist.«

Während die Rettungsorganisationen in Malta festsitzen und das weitere Vorgehen der Justiz abwarten, ist erneut ein Boot mit mehr als 100 Geflüchteten an Bord vor der Küste Libyens gekentert. 14 Menschen seien gerettet worden. Die Küstenwache barg nach eigenen Angaben zunächst drei tote Babys. Weitere Opfer hätten bislang nicht geborgen werden können, weil es dafür keine ausreichend großen Rettungsboote gebe.

Bis zum Redaktionsschluss war es noch unklar, ob die 100 Geflüchteten ertrunken sind.

Die vergangene Woche ist laut Ärzte ohne Grenzen mit mindestens 220 Ertrunkenen die tödlichste im Mittelmeer in diesem Jahr gewesen.