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Willkommen in Bullerbü

Lämmer päppeln, Pferde füttern, Wildtiere beobachten: Urlaub in Südschweden mit Kleinkindern

Von Marc Vorsatz

Da liegt was in der Luft. Es knistert förmlich, und die kleinen Lämmer blöken immer aufgeregter in den lauen Morgen. Nein, kein Rudel Wölfe in Sicht. Auch kein Braunbär. Kristina Lindelöf vom Biohof in Ingebo Hagar, einem Dorf nahe der schwedischen Ortschaft Vimmerby, kommt zielsicher in Gummistiefeln dahergestapft, mit vier Nuckelflaschen untern Arm, randvoll gefüllt mit Milch für die Lämmer. Und mit ihr zwei Familien - die Kleinkinder sind mindestens genauso aufgeregt wie die schwarzen Lämmer. Kristina verteilt die Flaschen. Jetzt gibt’s kein Halten mehr. Die Lämmer nuckeln, was das Zeug hält. Die Kinder sind hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Angst. Kein Wunder, sind die ungestümen Wollknäule doch etwa ebenso schwer wie die zwei- bis dreijährigen Kinder. Die klammern sich anfangs an Mama und Papa und greifen dann doch zur Flasche, um die Lämmer zu füttern. Nach nicht einmal einer Minute ist alles vorbei, die Milch ist verputzt.

Wer in Schweden auf Bauernhöfen oder in Naturparks Urlaub macht, kann sich sehr gesund und schmackhaft ernähren. Slow Food liegt im Trend, war auf dem Lande eigentlich nie weg. Das Gemüse wird im Garten hinterm Haus gezogen, überall sieht man Gewächshäuser voller Tomaten und Gurken. Getreide und Kartoffeln gedeihen auf den Äckern, Preisel- und Blaubeeren sammelt man in den endlosen Wäldern.

Elch, Reh und Seesaibling gehören zum festen Speiseplan der meisten Schweden. »Massentierhaltung lehne ich ab, ein gutes Elchsteak nicht«, sagt Ingrid Olsson, die charismatische Chefin des Naturparks Getnö Gård in Südschweden. »Seit Wolf, Luchs und Bär rar geworden sind und Elch, Rotwild und Mufflon kaum noch natürliche Feinde haben, muss der Mensch regulierend eingreifen. Ansonsten würde der Wald sichtbaren Schaden nehmen«, sagt sie.

Vor 51 Jahren kaufte Ingrids Vater die weitläufige Insel Getnö Gård, deren wechselhafte Geschichte er bis ins Jahr 1320 zurückverfolgen konnte. Über die Jahrzehnte haben die Olssons sich und ihren Besuchern mit dem Lake Åsnen Resort einen Rückzugsort geschaffen, der Wasserwanderer, Camper, Hobby-Ornithologen und Angelfreaks magisch anzieht.

Direkt vor den Toren von Getnö Gård wurde am 25. Mai 2018 der Åsnen-Nationalpark royal eröffnet. Der 30. Nationalpark Schwedens umfasst ein Archipel von rund 200 bewaldeten Inseln und Inselchen im Åsnensee, der insgesamt über 1000 Inseln beherbergt. Hier sind Fischadler, Hecht und der legendäre Prachttaucher zu Hause, dessen Gesang die Schweden und ihre Besucher immer wieder verzaubert.

Familien, denen der Sinn mehr nach organisierten Tierbegegnungen und Entertainment steht, sind im Zoo und Freizeitpark Kolmården goldrichtig. Der Zoo gilt mit seinen 250 Hektar als der größte Nordeuropas und kann mit ein paar Superlativen aufwarten, die rund 750 000 Besucher pro Jahr anziehen. Das größte Delfinarium Europas und die weltweit einzigartige Seilbahnsafari zum Beispiel. Auf einer Länge von über zweieinhalb Kilometern schweben die Gäste in geschützten Gondeln gewissermaßen erst über die afrikanische Savanne und dann über den heimischen Wald hinweg und können Löwe, Giraffe, Bison und andere Tiere aus der Vogelperspektive betrachten. Hier leben auch die Asiatischen Elefanten von König Carl Gustaf.

Die Gehege in Kolmården sind außerordentlich großzügig angelegt. Beobachtet man beispielsweise die spielenden Braunbären, die sich offensichtlich pudelwohl fühlen, hat man fast den Eindruck, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen.

Für viele Urlauber ist der Besuch des mehrfach preisgekrönten Öko-Resorts und Biohofes Urnatur einer der Höhepunkte einer Reise durch Südschweden. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei Baumhäuser tief im Wald bieten Ausblicke der besonderen Art. Eines ist gar kindersicher. Wer erdverbunden nächtigen möchte, hat die Qual der Wahl. Ein paar urige Blockhütten mit grasbewachsenen Dächern stehen zur Auswahl. Man macht quasi einen Zeitsprung, wenn man diese Hütten betritt. Alles fühlt sich an, wie es vor 100 Jahren gewesen sein mag, tief in der skandinavischen Wildnis. Kein Strom, kein Wasser, kein WiFi. Dafür der warme Schein einer altmodischen Petroleumlampe und ein Kanonenofen.

Die wahren Stars sind aber auch hier die Tiere, die gackernden Hühner und Haily, der alte Mischlingshund. Oder die Ziegen und Schafe und die beiden gutmütigen Baschkirsky-Ponys. Wie unheimlich groß und aufregend die russischen Steppenpferde doch sind - wahre Riesen. Spätestens jetzt sind die Kinder angekommen in Astrid Lindgrens Welt. Willkommen in Bullerbü.

Infos

Touristische Infos unter:
www.visitsweden.de
www.visitsmaland.se
www.visitostergotland.se
www.kolmarden.com

Anreise:
Neu: Nonstop mit dem schwedischen Billigflieger BRA (Braathens Regional Airlines) von Tegel nach Växjö. Ab 118 Euro incl. retour. www.flygbra.se

Åsnens Nationalpark:
Am 25. Mai wurde der 30. Nationalpark Schwedens, der Åsnens Nationalpark, eröffnet.
http://nationalparkasnen.se

Biohof Ingebo Hagar:
www.ingebohagar.com

Biohof Urnatur:
www.urnatur.se