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Maradonas Welt ist wieder in Ordnung

Der Fußballheilige aus Argentinien soll Dinamo Brest als Präsident neuen Glanz verleihen und den Klub an die Spitze in Belarus führen

Von Kristof Stühm, Brest

Diego Maradona erhob sich von seinem Sitz, er strahlte und winkte den Massen zu. In einem gigantischen Militär-Jeep ließ sich Maradona nach seiner Ankunft in Brest wie ein Feldherr durchs Dinamo-Stadion fahren. Die Fans des Klubs, dessen neuer Vorstandschef der Superstar von einst nun ist, waren selig. Küsschen hier, Foto da - was für eine Show!

Doch als reinen Klamauk will Maradona seinen gut dotierten Job im diktatorisch regierten Staat nicht verstanden wissen. Er nehme sein Engagement in Belarus »sehr ernst«, sagte der 57-Jährige, der hofft, dass der Fußball im Land durch seine Anwesenheit »jeden Tag besser« wird. Als Gastgeschenk überreichte der Klub seinem neuen Star einen Ring mit gigantischem blauen Klunker.

Maradona genoss die Huldigungen sichtlich. Bei der WM wurde die »10« zuletzt ja eher belächelt, nachdem er im Delirium fast von der Tribüne gefallen war. Ach, der Diego wieder, nicht mehr Herr seiner Sinne, hieß es danach. Doch in Brest ist Maradonas Welt wieder in Ordnung, in Belarus ist man stolz, den Argentinier - für viele immer noch der genialste Spieler der Geschichte - für sich gewonnen zu haben. Für drei Jahre hat Maradona unterschrieben, der Deal soll Präsident Diego nach Informationen der argentinischen Zeitung »La Nacion« etwa 20 Millionen US-Dollar einbringen.

Und so erging sich Maradona in Nettigkeiten über das Land und seinen autokratischen Herrscher. Er wolle ein Foto mit Alexander Lukaschenko, der in Belarus seit 14 Jahren mit harter Hand regiert, und hoffe, dass »er unser Fan wird«, sagte Maradona. Unter teilweise umstrittenen politischen Machthabern fühlt sich die »Hand Gottes« offenbar wohl. »Ich habe sehr gute Erinnerungen an Fidel Castro, (Hugo) Chavez und (Muammar) Gaddafi, und ich kenne auch (Wladimir) Putin«, sagte Maradona über die ehemaligen Herrscher Kubas, Venezuelas und Libyens sowie Russlands Staatsoberhaupt.

Für seine Aufgabe - die strategische Entwicklung des Fußballklubs inklusive der Nachwuchsabteilung von Dinamo - wolle er fleißig Russisch lernen, kündigte Maradona an und unterstrich seine Absicht, seinen Lebensmittelpunkt nach Brest zu verlagern, wo es im Winter knackig kalt wird. »Als ich klein war, hatte ich keine Schuhe und bin barfuß gegangen. Also habe ich keine Angst vor Schnee«, sagte Maradona, der Argentinien 1986 zum WM-Titel geführt hatte. »Ich kann ohne Probleme in Belarus leben.«

Erst einmal stehe allerdings die Arbeit im Vordergrund. »Wir werden versuchen, ein Team zu schaffen, das um die besten Plätze kämpfen wird«, sagte Maradona, der zuletzt als Trainer von Al Fujairah am Aufstieg in die erste Liga der Vereinigten Arabischen Emirate gescheitert war. Dinamo rangiert im Cempionat nach der Hälfte der Saison auf Rang sechs, Präsident Maradona sah am Montag ein 1:3 gegen Schachzjor Salihorsk - nach zuvor vier Siegen in Serie. SID/nd