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Die Berlin Volleys bauen ihr Meisterteam um

Bei den Volleyballern heuern etliche Stars, aufstrebende Talente und neue Trainer an - eine neue Regel erlaubt die Vergrößerung des Spielkaders

Schon unmittelbar nach Schlusspfiff der letzten Saison, die die BR Volleys mit dem Titel-Hattrick abgeschlossen hatten, kündigte Manager Kaweh Niroomand einen Umbruch in der Erfolgsmannschaft an. Wohl wissend, dass ihm künftig einige seiner Stars, die über Jahre das Spiel der Berliner dominierten, nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Allen voran der Mannschaftskapitän und Außenangreifer Robert Kromm, der mit 34 Jahren seine Karriere beendete.

Der zweite Leuchtturm, der 32-jährige australische Diagonalangreifer Paul Carroll, sucht nach sieben Jahren bei den Volleys in der russischen Topliga noch einmal eine sportliche Herausforderung. Mit dem serbischen Nationalspieler und Mittelblocker Aleksandar Okolic, der nach Griechenland wechselt, und dem australischen Libero Luke Perry verließen weitere prägende Figuren Berlin.

Für die Mission Titelverteidigung suchte Manager Kaweh Niroomand mindestens adäquaten Ersatz. Tatsächlich gelang es dem gewieften Macher in der deutschen Volleyballszene, etliche Stars und aufstrebende Talente nach Berlin zu holen. Dabei soll der 31-jährige Amerikaner Dustin Watten als Libero mit seiner Erfahrung aus 84 Länderspielen zum Führungsspieler avancieren. Der 1,88 Meter große Abwehrspezialist hat in der letzten Saison in der polnischen Topliga für Czarni Radom gespielt und Auslandsstationen in Brasilien, Frankreich und Finnland hinter sich.

Internationale Klasse konnte auch mit dem 31-jährigen Franzosen Samuel Tuia als Außenangreifer verpflichtet werden. Geboren auf Wallis und Futuna, einem französischen Überseegebiet, ist Tuia ein echter Volleyballexot. Mit 16 Jahren entdeckten französische Talentscouts das Juwel in der Weite des pazifischen Ozeans. Mit seiner Begabung und Athletik rückte der 1,95 Meter großen Außenangreifer schnell in Frankreichs Nationalmannschaft auf, mit der er 2009 Vizeeuropameister wurde. Nach Auslandsstationen in Belchatow und Olsztyn (Polen) sowie Kemerovo (Russland) spielte Tuia zuletzt vier Jahre lang in Istanbul. Manager Niroomand hält große Stücke auf den Neuzugang: »Tuia hat für Topklubs in ganz Europa gespielt und gehört zur erfolgreichen Generation der französischen Nationalmannschaft. Mit Robert Kromm haben wir auf der Außenposition eine wichtige Konstante verloren. Tuia kann diese Lücke schließen.«

Der jüngste Coup ist die Verstärkung für den Mittelblock mit dem US-amerikanischen Nationalspieler Jeff Jendryk. Der 2,05 Meter große 22-Jährige wurde gerade erst gemeinsam mit dem neuen Berliner Libero Watten mit dem USA-Team Dritter in der Volleyball Nations League. »Jendryk ist ein Riesentalent. Er bringt alles mit, um ein Topspieler zu werden«, lobt Niroomand den Neuzugang. Der Amerikaner kommt direkt von der Loyola University Chicago, wo er im Mai seinen Abschluss im Fach Finanzwirtschaft gemacht hat. Der Mittelblocker zählt seit zwei Jahren zum A-Kader der US-Nationalmannschaft und hat beste Chancen, im September mit zur WM nach Italien und Bulgarien zu reisen.

Neben internationalen Stars gibt es bei den BR Volleys auch zwei neuverpflichtete deutsche Talente: die Jung-Nationalspieler Jan Zimmermann (25 Jahre) als Zuspieler und Moritz Reichert (23 Jahre) im Außenangriff. Beide wurden mit dem VfB Friedrichshafen als junge Perspektivspieler vor drei Jahren deutscher Meister. Reichert wechselte später zum französischen Topklub Tours VB. Auch Zimmermann sammelte internationale Erfahrung bei Stade Poitiers in Frankreich.

Schon Ende Mai war bei den Berlinern eine wichtige Personalentscheidung gefallen. Mit dem 42-jährigen Franzosen Cedric Enard, der in der Saison 2017/2018 mit Tours VB die französischen Meisterschaft gewann, konnte ein neuer Cheftrainer als Nachfolger von Stelian Moculescu unter Vertrag genommen werden. Allerdings mit einem Kompromiss: Er ist weiterhin Assistenztrainer der französischen Nationalmannschaft und steht von daher den Berlinern nicht unbegrenzt zur Verfügung. »Ich nehme dieses Manko in Kauf«, so Manager Niroomand. »Enard ist ein Trainer, der höchsten Ansprüchen gerecht wird. Er ist der richtige Mann für unseren sportlichen Neuanfang.«

Er hat inzwischen mit dem 35-jährigen Polen Tomasz Wasilkowski einen neuverpflichteten Co-Trainer an seiner Seite, der zusammen mit dem Athletiktrainer Timo Kirchberger das Team in seiner Abwesenheit betreut.

Angesichts der personellen Entwicklung in Berlin darf man gespannt sein, wie die Konkurrenz darauf reagiert. Ein Vorteil für alle: Künftig dürfen 14 statt wie bisher zwölf Spieler zu einer Mannschaft gehören.