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Good Bye UK and Thank you for the Music

Das Festival »Wassermusik« im Haus der Kulturen der Welt feiert sein zehnjähriges Jubiläum mit einer politischen Botschaft

Von Hansdieter Grünfeld

Alle Jahre wieder, seit 2008 gibt es die Wassermusik. Als Freiluftveranstaltung geplant, dehnt sich die Reihe über vier Wochenende innerhalb der Monate Juli und August . Bei gutem Wetter wird die weitläufige Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt zum Konzertort. Bei Regen gewährt die Ausstellungshalle des Hauses Obdach.

Doch nicht nur Musik stand von Anfang an auf dem Programm, sondern auch stets Filme und Diskussionen. So wurden in den vergangenen 10 Jahren unter anderem Themenbereiche wie »Wüsten«, »Mother India« oder »Pazifik« präsentiert. Der Brexit, also das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union, ist in diesem Jahr eindeutig das Thema, wenn es denn heißt: »Good Bye UK-and Thank you for the Music«.

In der Tat hat Kontinental-Europa den Briten musikalisch viel zu verdanken. Während des des knapp dreiwöchigen Festivals geht es daher um die Musik der letzten 50 bis 60 Jahre. Jahrzehntelang war Großbritannien die erste Pop-Nation Europas. Neben bekannten Bands wie den Beatles, den Rolling Stones oder Cream, entstand auf der Insel der Liverpool-Beat, Drum’n’Bass lassen grüßen, Glam Rock und Dubstep nicht minder. Zudem schwappte alles, was über den großen Teich aus den USA kam, zuerst an die Ufer des Inselreiches. Das galt besonders auch für Jazz, Blues, und Rhythm’n’Blues. Außerdem kam als Sahnehäubchen hinzu - man stelle sich das in unseren Zeitläuften vor -, dass Migranten aus Afrika und der Karibik ab 1948 legal ins Vereinte Königreich einreisen durften. Mit ihnen kam auch die Musik aus Ländern und Regionen, die unter britischen Einfluss standen, aber eine eigenständige, lange musikalische Tradition hatten.

So dokumentiert die diesjährige Wassermusik den gloriosen Einfluss britischer zeitgenössischer Musikfusionen nebst ihren unüberhörbaren Auswirkungen. Deshalb wurden nicht nur die unterschiedlichsten Künstler aus Großbritannien eingeladen, sondern auch Interpreten aus Mexiko, Indien, Frankreich, Polen und Nigeria.

Gleich der erste Abend (27. Juli) lockt wohltuend kontrastreich. Go-Kart Mozart, eine Indepentent-Rock-Gruppe um Songschreiber Lawrence begeistert mit abstrusen Texten und hervorragender Instrumentalbegleitung. Darauf folgt Matthew Herbert’s Brexit Big Band. Bühnenaktionen, also Musiktheater, die das Publikum einbinden sollen, wechseln mit orchestraler Dramatik oder Free-Jazz Passagen.

Jazz aus Nigeria gefällig? Dann bitte Freitag, den 3. August vornotieren. Dann tritt der nigerianische Saxophonist Orlando Julius mit der Londoner Jazzgruppe The Heliocentrics auf. Wer Melancholie und Schmalz mag, wird bei der mexikanischen Gruppe Méxrrissey bestens bedient. Titel von Popstar Morrissy und The Smiths treffen auf Mariachi-Trompeten und Tristessa. Letzterer Begriff beschreibt einen Musikstil, den man tunlichst nicht mit Trauer oder Melancholie falsch übersetzen sollte.

Verwiesen sei noch auf die Gastspiele von Jazz Jamica, Mitch & Mitch, sowie Shabaka & The Ancestors und auf das Filmangebot. Insgesamt werden zwölf Streifen nach den Konzerten gezeigt. Hier gibt es für die Besucherinnen und Besucher des Festivals aber folgendes zu bedenken: Der pünktliche Vorführungsbeginn, nämlich 22 Uhr, erwies sich desöfteren als problematisch. Die letzten Linienbusse nach Zoo oder Alexanderplatz, die Linie 100, fahren aber kurz nach Mitternacht.

In den beiden eintrittsfreien Diskussionstreffen an den Donnerstagen (2. bzw. 9. August wird über den Brexit und über die Lebensmöglichkeiten im teuren London debattiert. Die im Anschluss hieran gezeigten Filme kosten aber wieder Eintritt.

Festival Wassermusik, Haus der Kulturen der Welt, John Foster Dulles Allee 105, Tiergarten. 27. Juli bis 18. August.www. hkw.de/wassermusik