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Ignoranz zum Schaden aller

Grit Gernhardt findet, dass die soziale Spaltung das wichtigste Thema ist

Von Grit Gernhardt

Seit Monaten arbeitet sich die herrschende Politik nur an einem Thema ab - und das haben rechte und konservative Kräfte gesetzt. Die Zuwanderung weniger Armer bedroht demnach die Zukunft aller Einwohner eines reichen Landes. Fragt man die jedoch selbst, schätzen sie realistischer ein, was wirklich gefährlich ist: fehlender sozialer Zusammenhalt.

Laut Daten des Sozio-oekonomischen Panels machen sich 90 Prozent der Bürger Sorgen, dass die Gesellschaft sozial auseinanderdriftet. Sie wünschen sich, dass soziale Probleme vieler, wie die Suche nach einem Kitaplatz oder einer Wohnung, nach guter Betreuung für Pflegebedürftige oder auch nach einem Facharzttermin, dringend besser als bisher gelöst werden müssen. Diejenigen jedoch, die daran etwas ändern könnten - an vorderster Front die Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD -, setzen weiter nur auf das Flüchtlingsthema - obwohl sie davon gar nichts haben, nicht mal die fragwürdige Genugtuung, der AfD Wählerstimmen abzujagen.

Dabei wird immer auf »besorgte Bürger« hingewiesen, die man ernst nehmen müsse. Doch wer nur die und nicht die wirklichen Sorgen ernst nimmt, gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Ohne den aber gibt es keine funktionierende Gesellschaft - und keine Demokratie. Mit ihrer fortgesetzten Ignoranz schaffen sich die Parteien selbst ab.