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Die Schnellste

Personalie

Es sei der beste Morgen ihres Lebens gewesen, sagte Dina Asher-Smith, als sie im August 2014 bei einem Wettkampf in Zürich die Nachricht erreichte, dass ihre Abiturnoten ausreichten, um am ehrwürdigen Londoner King’s College Geschichte studieren zu können. Nicht gerade selbstverständlich für ein Kind von Einwanderern aus Jamaika und für eine Leistungssportlerin, die den Großteil ihrer freien Zeit auf dem Trainingsplatz verbringt. Mittlerweile hat sie ihren Bachelor-Abschluss und am Montag den vielleicht schönsten Abend erlebt: Die 22-jährige Britin wurde bei der Leichtathletik-EM in Berlin Europameisterin über 100 Meter.

Auf der schnellen blauen Bahn im Olympiastadion verbesserte Asher-Smith ihre Bestzeit auf 10,85 s und ist damit - zeitgleich mit der in Frankreich trainierenden, für die Elfenbeinküste startenden Marie Josée Ta Lou - in diesem Jahr die schnellste Frau der Welt. Eine Zeitenwende im Sprint, den über Jahre ausschließlich Läuferinnen (und Läufer) aus den USA und der Karibik dominierten.

Asher-Smiths Karriere ist gespickt mit Erfolgen: 2013 Junioreneuropameisterin über 200 m, ein Jahr später 100-m-Juniorenweltmeisterin, bei Olympia in Rio Fünfte über 200 m und Staffelbronze, 2016 200-m-Europameisterin, 2017 WM-Vierte über 200 m, britische Rekordhalterin über 100 und 200 Meter. Trotzdem ist die Sportlerin, die sich engagiert, Behindertensport bekannter zu machen, nie abgehoben: Die Attitüde vieler Sprinter, »ich bin der Beste hier«, sind der zurückhaltenden, immer freundlichen Sportlerin fremd. Auch wechselte sie nie zu einem großen Verein, trainiert nahe ihres bürgerlichen Heimatbezirks Orpington am Londoner Stadtrand bei einem Klub, der sich zuletzt 1920 über eine Olympia-medaille freute.

Gerade ihr Studium in einem sportfernen Fach hat ihr, wie sie sagt, eine »Balance gegeben, die das Leben leichter macht und verhindert, einen Koller zu bekommen«. Statt am Abend Videos von Läufen zu analysieren oder über eine mal weniger gute Leistung zu grübeln, musste sie büffeln und schrieb nach dem Training noch 61 wissenschaftliche Aufsätze.