/ Berlin

17 Bahnhöfe werden aufgehübscht

Deutsche Bahn investiert in den kommenden Monaten elf Millionen Euro in ihre Stationen

»Eine unifarbene Fläche lädt in dieser Stadt zur Gestaltung ein«, sagt Friedemann Keßler, Regionalleiter Ost bei DB Station & Service. Er ist Herr über die 132 Bahnhöfe der Stadt. Bisher kommt die Gestaltung unaufgefordert durch Sprayer. Doch nun nimmt die Deutsche Bahn sie selbst in die Hand. Ab September sollen 17 Bahnhöfe einladender gestaltet werden.

Einen Vorgeschmack erleben Nutzer des S-Bahnhofs Warschauer Straße bereits seit einigen Monaten, die Treppenaufgänge zieren im bunten Graffiti-Stil gestaltete Silhouetten tanzender Menschen. Einen »absoluten Test« nennt Keßler das. Denn, so die Erfahrung der Zwischenzeit: »Die Silhouetten von Menschen laden offensichtlich zu künstlerischen Ergänzungen ein.« Praktisch nach jedem Wochenende muss die Wandgestaltung mitten im Partykiez ausgebessert werden. »Die Themen müssen also noch abstrakter werden«, so Keßler.

Der Bahnhof Lichtenberg soll grüner werden. Graue Wandpaneele in der Haupthalle sollen mit Blättermotiven ergänzt werden, die Säulen im Bahnsteigtunnel sollen sogar mit dreidimensional geknitterten Blechen verkleidet werden, die stark an natürliche Strukturen erinnern. Echte Pflanzen in der Halle und vor dem Haupteingang sollen den freundlicheren Eindruck verstärken.

In der Eingangshalle des Bahnhofs Neukölln wird der Bezirksname als Lichtinstallation den Blickfang bilden. Schöneberg wiederum wird an ein riesiges Schwimmbad erinnern. Durchscheinende Folien mit Tauchern, Gummienten, Oktopussen und anderen Wassermotiven in Computerspiel-Pixeloptik sollen die nüchterne Ringbahnhalle aufpeppen. Denn bisher wird das Drahtglas von außen als Graffiti-Leinwand genutzt. In Tempelhof wird vor allem mit großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos aus Geschichte und Gegenwart des ehemaligen Flughafengeländes gearbeitet, die Innenwand der Rotunde der Empfangshalle soll sogar einen 360-Grad-Panorama-Eindruck erzeugen.

Insgesamt elf Millionen Euro aus verschiedenen Töpfen fließen in eine verbesserte Optik und Sauberkeit. »Wir hoffen, dass so die Kundenzufriedenheit messbar gesteigert wird und wir damit auf längere Sicht mehr Reisende anziehen können«, erklärt Keßler. Bisher hatte er kaum Geld zur Verfügung für Schönheitsreparaturen, für die es keine betriebliche Notwendigkeit gibt. Er begrüßt das Umsteuern des Bahnkonzerns in dieser Frage.

Doch die Maßnahmen beschränken sich nicht auf etwas Farbe und Klebefolien. In Neukölln soll künftig der gesamte Bahnhof kameraüberwacht werden. Eine Premiere im S-Bahnnetz, wo ansonsten nur die Bahnsteige mit Kameras für die Zugabfertigung ausgerüstet sind. Das hatte die Bahn noch mit der damaligen Neuköllner Bezirksbürgermeisterin und heutigen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vereinbart.

Ohne Rücksprache mit dem Bezirk wird der Zugangsbereich des Bahnhofs Hermannstraße künftig mit »atonaler Musik« beschallt werden. Damit hofft die Bahn, in dieser »quirligen Gegend« jene Personen vertreiben zu können, die in dem Bereich »länger verweilen, ohne die S-Bahn nutzen zu wollen«. Vor allem mit klassischer Musik werden bundesweit Drogenkonsumenten aus Bahnhöfen verdrängt, so am Hamburger Hauptbahnhof oder in der Münchner U-Bahn. Über die Erfolge gibt es geteilte Meinungen. Nutzer der Verkehrsmittel sind oft von der Beschallung in Dauerschleife genervt. Zumindest das befürchtet Keßler nicht: »Auf dem Bahnsteig wird keine Musik zu hören sein, nur im Zugangsbereich, in dem normale Nutzer nur ein paar Sekunden unterwegs sind.«

Charlottenburg soll für rund 1,3 Millionen Euro zu einer »Smart-City-Drehscheibe« umgestaltet werden. Doch die einzelnen Maßnahmen werden bisher nur nebulös dargestellt. »Anpassung an Urbanisierung« oder »Interaktion und Erholung im Kiez« lauten Schlagworte bei den Zielen. Im Herbst will die Bahnspitze das Flaggschiffprojekt genauer vorstellen.