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Hohe Renditeerwartung

Jürgen Amendt über den Finanzbedarf der Schulen

Wenn ich in Berlin derzeit morgens zur Arbeit fahre, komme ich an einem ehrgeizigen Neubauprojekt vorbei. Große Häuser mit schicken Glasfassaden und grünen Innenhöfen werden in Windeseile hochgezogen. Es lohnt sich - für die Investoren und die künftigen Immobilienbesitzer. Die Makler preisen die Wohnungen als »renditeträchtig« an. Nicht weit entfernt liegt die ehemalige Grundschule meiner Söhne. Sie hat engagierte Lehrer und Erzieherinnen, allerdings davon zu wenige. Von außen betrachtet erweckt sie den Eindruck, als ob sie um die Abrissbirne förmlich bettelt: Von den Wänden blättert der Putz, der Innenhof ist zubetoniert und dort, wo früher Wiese und Gebüsch zum Spielen war, steht jetzt ein containerartiger Modulbau.

Nicht nur im Berliner Schulsystem fehlt es an allem: an Schulplätzen, an Lehrern, an Geld für Schulneubauten. Die 118 Milliarden Euro, die der Deutsche Lehrerverband für die die kommenden zehn Jahre errechnet hat, wären eine gute Investition, die hohe Renditen verspräche - allerdings nicht für Investoren, Immobilienbesitzer und Makler, sondern für die Gesellschaft.

Für den eingangs erwähnten Neubaukomplex mussten die Investoren übrigens keinen Cent für Schulen ausgeben, nicht einmal eine Kita mussten sie bauen.