/ Berlin

Razzia gegen Organisierte Kriminalität

Die Polizei ist erneut gegen Mitglieder einer aus dem Libanon stammenden Großfamilie vorgegangen. Rund 30 Polizisten durchsuchten am Mittwochmorgen eine Wohnung und einen Internetladen in Neukölln. Dabei waren auch schwer bewaffnete Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos. Ein 28-jähriger Mann wurde in der Wohnung festgenommen, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Mann sei Mitglied einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie, hieß es. Die Polizei fand scharfe Munition, illegale Medikamente und Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich, also etwa zwischen 40 000 und 60 000 Euro. Die Razzia begann am Mittwochmorgen gegen 6 Uhr. Mit dem Kiosk in der Fuldastraße war die Polizei bereits gegen 8 Uhr fertig. In der Wohnung in der Karl-Marx-Straße liefen die Maßnahmen deutlich länger. Dort wurde auch eine große Limousine durchsucht.

Die Polizei erklärte: »Die Durchsuchungen haben nichts zu tun mit den Ereignissen am Wochenende.« Das sei davon losgelöst und habe allgemein mit Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität und sogenannte Clanstrukturen zu tun. Sonntagnacht waren zwei Angehörige einer Großfamilie in Neukölln aus einem Auto heraus niedergeschossen und schwer verletzt worden. Am Samstag hatte es eine große Schlägerei zwischen zahlreichen Mitgliedern von zwei Familien gegeben. Die Menschen gingen in der Graefestraße mit Pfefferspray, Schlagstöcken und einer Axt aufeinander los. Ein Mann drohte mit einer Schusswaffe. Erst ein Großaufgebot der Polizei brachte die Lage unter Kontrolle. Anschließend stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) die Wohnung eines Verdächtigen.

In den vergangenen Monaten gab es verstärkt von Polizeieinsätzen gegen die sogenannten Clanstrukturen. Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Norbert Cioma, begrüßte die Razzien: »Um den Sumpf der organisierten Kriminalität trocken zu legen, sind dauerhafte und nachhaltige Maßnahmen notwendig.«

Ende August nahm die Polizei bei einer Razzia gegen mutmaßliche Drogenhändler mehrere Verdächtige fest. Im Juli wurden 77 Immobilien, die Mitgliedern einer Großfamilie gehören sollen, von der Polizei vorläufig beschlagnahmt. dpa/nd