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Läuft noch nicht bei Nazi-Tinder

Mit »Patriot Peer« wollen sich Rechte per Smartphone vernetzen. Doch die Fertigstellung der App dauert noch.

Von Christopher Wimmer
Tinder für Identitäre? Die Vernetzungs-App für Rechte steht vor vielen Schwierigkeiten

Eigentlich sind soziale Medien die bevorzugte Spielwiese der Identitäten Bewegung (IB). Die rechtsradikale Jugendbewegung ist äußerst aktiv auf Facebook und Twitter um dort Ängste vor angeblicher Überfremdung und Geflüchteten zu schüren.

Mit einer App, die von Martin Sellner, einem der führenden Akteure der Bewegung aus Österreich, geplant wurde, scheinen die Identitäten gerade weniger Glück zu haben. Mehrfach wurde der Start der App »Patriot Peer« schon verschoben. Nun soll es ein neues Startdatum geben – ob die Anwendung dann jedoch wirklich funktioniert, ist unklar.

Die Smartphone-App, die Sellner bereits Anfang des Jahres präsentierte, soll eine Art digitaler Kompass sein und dazu dienen, rechte Akteur*innen zu vernetzen. Grundsätzlich handelt es sich um eine App mit Ortungsfunktion. Nutzer*innen erstellen sich ein Profil und können dann entscheiden, wann und für wen sie sichtbar sein wollen. Ebenso sehen sie andere auf einer Karte. Ziel des Patrioten-Radar ist es, über die App Gleichgesinnte in der nahen Umgebung zu finden, sich zu treffen und auszutauschen.

Auf der Karte werden neue User*innen als grüne Punkte angezeigt. Bei einem Treffen kann man den QR-Code des jeweils anderen scannen und es entsteht ein blauer Punkt – ein nationales Match sozusagen. »Patriot Peer« funktioniert somit wie eine Dating-App, doch geht es dort wohl weniger um romantische Beziehungen, sondern darum, »patriotische Synergien« zu nutzen, um die »Multikulti-Firewall« zu knacken. Die App sei dafür da, um eine angeblich schweigende rechte Mehrheit aufzuwecken und zu vernetzen, heißt es auf der Homepage von »Patriot Peer«.

Die App soll ebenso eine Level-Funktion beinhalten. Durch häufige Interaktionen soll man auf der virtuellen, nationalen Karriereleiter hochklettern können. Ranghohe Patriot*innen mit vielen Punkten bekommen Belohnungen. Punkte gibt es für Aktivismus, reele Treffen, wie Besuche von Stammtischen oder kulturelle Betätigungen, wie Besuche von Kirchen und Denkmälern.

Die App passt damit in das Konzept der IB, vor allem junge Menschen für rechtes Gedankengut zu begeistern. In einem Video vom Mai 2018 sieht man Martin Sellner mit zwei weiten Aktivist*innen im Wiener Türkenschanzpark sitzen, wie sie mit ihren Smartphones spielen und die bald erscheinende App anpreisen.

Seitdem ist es jedoch ruhig geworden um die durch Spenden finanzierte Anwendung. Die Produktion dauerte deutlich länger als erwartet, eine Anklage gegen 17 österreichische Identitäre verzögerte die Veröffentlichung der App. Mit Kai Alexander Naggert, IT-Manager und Mitglied der IB in Nordrhein-Westfalen wurde im Sommer ein neuer Verantwortlicher für die App präsentiert. Doch in der Zwischenzeit kam auch noch die DSGVO dazwischen und die App musste erneut umprogrammiert werden. Nun wurde ein neuer Starttermin präsentiert: ab 25. Dezember soll die App auf den Markt kommen, wie es in einer aktuellen Meldung heißt. Ob »Patriot Peer« allerdings tatsächlich den Weg in den Android und IOS Store schafft, bleibt abzuwarten.

Vielleicht entwickelt sich die App aber zu einem Weihnachtsgeschenk für Antifaschist*innen, denen es durch die App auch möglich wird, sich darauf anzumelden und Identitäre zu orten. Martin Sellner scheint sich dessen auch selbst bewusst zu sein. In einem Video äußert er sich: »Wenn du einen Verdacht hast, nimmst du einfach zwei Freunde mit«. Allzu sicher sind sich die Identitären also nicht mit ihrer schweigenden Mehrheit.