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Der gerne Königsmacher wär’

Gewonnen hat er die Wahlen nicht, doch den Diskurs bestimmt seine Partei mit: Wer ist Jimmie Åkesson, der Chef der Schwedendemokraten?

Geschniegelt-korrekte Frisur, Hornbrille, stets adrett gekleidet und betont seriös im Auftreten: So präsentiert sich Jimmie Åkesson, Chef der Schwedendemokraten. Als Sieger der Wahlen betrachtet sich der 39-Jährige. Das ist zwar unzutreffend, doch das überbordende Selbstbewusstsein hat einen guten Grund: Da keiner der beiden großen Blocks, weder Rot-Rot-Grün noch das bürgerliche Viererbündnis, das sich um die zweitstärkste Kraft, die Moderaten, schart, eine regierungsfähige Minderheitskoalition auf die Beine stellen kann, kommt Åkesson die Rolle des Königsmachers zu. Zumindest gilt dies für die Moderaten, wo sich jene Stimmen mehren, die eine Tolerierung durch die Schwedendemokraten befürworten. Damit wäre die Mission, mit der Åkesson vor 13 Jahren antrat, erfüllt: die Enttabuisierung seiner Partei voranzutreiben und sie, nach dem Vorbild der österreichischen FPÖ und vor allem der dänischen Dansk Folkeparti, zu Macht und Einfluss zu führen. Die dänische Schwester war 2001 erstmalig über die Tolerierung einer bürgerlichen Minderheitsregierung an der Macht beteiligt gewesen und prägt seitdem - das kann man zweifelsohne konstatieren - die dänische Politik maßgeblich mit.

Dahin möchte Åkesson erklärtermaßen auch. Seit 2005 führt er die Schwedendemokraten von einem Erfolg zum nächsten: 2010 gelang unter seiner Führung der erste Einzug ins schwedische Parlament, 2014 wiederum ein starker Zuwachs an Stimmen von 5,7 auf 12,9 Prozent. Drei Jahre bevor er das Amt von seinem Vorgänger übernahm, hatten die SD bei den Wahlen zum Reichstag 2002 noch unter der Wahrnehmungsgrenze, bei 1,4 Prozent, gelegen.

Um aus der Isolation zu gelangen, arbeitete Åkesson vor allem am Image der Partei, die Ende der 1980er Jahre aus einem braunen Sumpf von extrem rassistischen Gruppierungen und der Neonaziszene emporgestiegen war. Åkesson ließ ein paar Skinheads rauswerfen, ersetzte das alte Logo der Partei - Faust mit Fackel - durch ein freundlich daherkommendes blaues Blümchen. Er und sein aus Studientagen an der renommierten Universität Lund stammender Führungszirkel verordneten Amtsträgern ein Auftreten als biedermeierliche Wahrer von Kultur und Tradition, dazu gehört seit einiger Zeit für die Schwedendemokraten auch der Wohlfahrtsstaat, den zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen sich die Rechten nun auch auf die Fahnen geschrieben haben. Geblieben sind die Ablehnung der EU und eine aggressive Haltung gegenüber Einwanderern, Flüchtlingen und »Multi-Kulti«, mit der es Åkesson immerhin schaffte, aus der Fernsehdebatte der Chefs der acht im Reichstag vertretenen Parteien im staatlichen Fernsehen SVT als Umfragensieger hervorzugehen.

Dort hatte er noch am Freitagabend über Migranten gesagt, wer nicht schwedisch sei, passe nun einmal nicht ins Land, und dann sei »klar, dass es schwer ist, einen Job zu bekommen«. Der Sender distanzierte sich von den Äußerungen zwar. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Åkesson mit seinem hinter ordentlicher Frisur und intellektuell-konservativ anmutender Brille nur schlecht versteckten Rassismus den Diskurs der schwedischen Öffentlichkeit längst mitprägt. Ob er und seine Partei bald auch über eine Tolerierung mitregieren, hängt nun vor allem an den Moderaten, deren Jugendorganisation Åkesson als Schüler selbst einmal angehört hatte. Und daran, ob sie Åkesson den Königsmacher spielen lassen. Er, das hat er deutlich gesagt, ist bereit.