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Anschlag auf staatlichen Ölkonzern

Islamischer Staat bekennt sich zu Täterschaft

Von Imed Lamloum

Auf den einzigen im Betrieb befindlichen Flughafen in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind in der Nacht zum Mittwoch Raketen abgefeuert worden. Berichte über Opfer oder Schäden liegen nicht vor, wie es aus Flughafenkreisen hieß. Ein Libyan-Airlines-Flug sei nach Misratah rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt umgeleitet worden. Zudem sollte die Rollbahn in Tripolis evakuiert werden.

Der internationale Mitiga-Flughafen in der Hauptstadt war erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet worden, nachdem die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen (UNSMIL) die Unterzeichnung einer Waffenruhe zwischen den bewaffneten Gruppen nahe Tripolis bekannt gegeben hatte.

Bei einem Angriff auf die Zen᠆trale von Libyens staatlichem Ölkonzern (NOC) in Tripolis waren zwei Tage zuvor mindestens zwei Menschen getötet worden. Zwei Selbstmordattentäter hätten sich im zweiten und dritten Stock des Gebäudes in die Luft gesprengt, sagte Sprecher Ahmed Ben Salem von der Reeda-Miliz, die in Tripolis als Polizei fungiert. Sowohl Al-Reeda als auch die UNSMIL bezeichneten den Vorfall als »terroristische« Attacke.

Ein Mitarbeiter des Ölkonzerns berichtete, maskierte Bewaffnete hätten die Wachen in einen Schusswechsel verwickelt und die Firmenzentrale angegriffen. »Ich bin mit anderen Kollegen aus dem Fenster gesprungen, und dann haben wir eine Explosion gehört.«

Das Gebäude nahe der Altstadt von Tripolis fing nach dem Angriff Feuer, das aber schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte. NOC-Chef Mustafa Sanalla sprach im Sender Libya 218 dennoch von »schweren Schäden« an der Firmenzentrale. Die UNSMIL verurteilte die »terroristische Attacke« und rief die Libyer zur Einigkeit auf.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Überfall für sich reklamiert. Der IS erklärte über sein Sprachrohr Amak, drei seiner Kämpfer hätten den Angriff verübt. Sie hätten das Gebäude in Brand gesetzt und sich Gefechte mit den Wachleuten geliefert, bevor sie selbst getötet worden seien.

Die Gewinne aus dem Erdölgeschäft machten einst 95 Prozent der libyschen Staatseinnahmen aus, die Fördermenge betrug 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Seit dem Sturz von Staatschef Muammar al-Gaddafi 2011 wurde der Ölsektor wiederholt Ziel von Angriffen, die Einnahmen sanken drastisch. Ende 2017 erreichte das arabische Land erstmals wieder eine Erdölförderung von mehr als einer Million Barrel pro Tag. AFP