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Erfolg für General Motors

Streik bei Autobauer in den USA beendet

Von Max Böhnel

Nach dem Streik bei General Motors (GM) in den USA wird am Montag wieder der volle Schichtbetrieb aufgenommen. Der neue Tarifvertrag, den die Autogewerkschaft United Autoworkers (UAW) mit dem Unternehmen ausgehandelt hat, hinterlässt bei vielen ein schales Gefühl.

Nach dem längsten Streik bei dem Autobauer seit einem halben Jahrhundert hatte die UAW am Freitagnachmittag das Ergebnis der Urabstimmung bekanntgegeben: Von 41 000 abgegebenen Stimmen plädierten 57 Prozent für und 43 Prozent gegen den neuen, auf vier Jahre angelegten Tarifvertrag. Am Wochenende leiteten Mitarbeiter*innen die Wiederaufnahme der Produktion in die Wege. Die Streikenden hatten die Fertigungs- und Lagerhallen seit dem 16. September nicht mehr betreten.

Lohnerhöhungen

Der Tarifvertrag sieht Lohnerhöhungen zwischen drei und vier Prozent alle zwei Jahre vor. Dazu wird die dreiprozentige Zuzahlung zur Krankenversicherung beibehalten. GM darf laut dem Vertrag eine unbegrenzte Zahl von Leiharbeiter*innen beschäftigen, sofern die UAW den Einstellungen zustimmt. Das bei den Arbeiter*innen unbeliebte zweistufige Leistungs- und Lohnsystem bleibt weiter bestehen, allerdings verkürzt. So erhalten länger Beschäftigte in der Fertigung nach vier Jahren den Höchststundenlohn von 32 Dollar, was für viele fast eine Lohnverdoppelung bedeutet. Für nach 2015 Eingestellte wurde die Obergrenze auf 25 Dollar abgesenkt. Es handelt sich um die ersten Lohnerhöhungen seit vielen Jahren und unter Berücksichtigung der Inflation um eine Anpassung.

Werksschließungen

Die »New York Times« bezeichnete die Vereinbarung als großen Erfolg für das Unternehmen. GM habe schmerzfrei »etwas gewonnen, was es bisher, von einer Pleite abgesehen, wohl kaum erreicht hätte: die reibungslose Schließung von drei Werken«. Es sind die Werke in Lordstown im Bundesstaat Ohio, Warren in Michigan und unweit der Stadt Baltimore. Das Werk Hamtramck in Detroit, dessen Schließung GM vorgesehen hatte, bleibt zur Fertigung von E-Fahrzeugen in Betrieb. Die unabhängige gewerkschaftliche Webseite »Paydayreport« bewertete die Ratifizierung mit den Worten, die GM-Arbeiter*innen seien »stark gespalten zwischen denen, die aus dem neuen Vertrag Nutzen ziehen können, und denen, die die Schließung ihrer Werke befürchten«. Denn der Tarifvertrag sieht keine Garantien für den Erhalt der Standorte vor.

In den GM-Lagerhallen in Langhorne im Bundesstaat Pennsylvania, die das »nd« Anfang Oktober besucht hatte, sei die Stimmung »beschissen«, sagte ein UAW-Mitglied, das anonym bleiben möchte. Dort hatten 44 der Beschäftigten mit Nein gestimmt, 34 mit Ja. Die Fertigungsarbeiterin Raina Shoemaker schimpfte auf die Gewerkschaftsführung. »Sie haben nicht genug getan. Das ist das Ergebnis dafür, dass wir fünf Wochen lang vor dem Werkstor standen? Nein. So etwas hätten sie uns nicht vorlegen dürfen, ehrlich gesagt, das ist kein Sieg«, sagte sie.

Für viele hatte der Streik am Schluss die finanzielle Belastungsgrenze überschritten. Denn die Zahlungen aus der Streikkasse von zunächst 250 und später 275 Dollar pro Woche waren nicht genug. Für viele kam das GM-Angebot von 11 000 Dollar Lohnausfallszahlung für Vollzeitbeschäftigte und 4500 Dollar für Leiharbeiter wie der rettende Strohhalm.

Nun wird die UAW Verhandlungen mit dem Autobauer Ford einleiten. Der Tarifvertrag mit GM ist dabei richtungsweisend.