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Trauriger Weltruhm

Motordoping: Belgische Radfahrerin wurde bei der WM als erste erwischt

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Und es gibt sie doch, die E-Motoren in Fahrradrahmen unter Wettkampfbedingungen. Der traurige Weltruhm, als erste mit technologischem Betrug erwischt worden zu sein, gebührt seit diesem Wochenende der Belgierin Femke Van den Driessche. Die Europameisterin im Querfeldein von 2015 wurde bei den Weltmeisterschaften in Zolder mit einem manipulierten Rad erwischt. Eine Mitteilung vom Weltradsportverband UCI bestätigte den Verdacht auf »technologischen Betrug« und kündigte weitere Untersuchungen an.

Das belgische Fernsehen lieferte mehr Details. Noch während des Wettkampfes wurde dem Sender Sporza zufolge ein Ersatzrad von Van den Driessche kontrolliert. »Dabei wurde ein Minicomputer gefunden. Das Rad wurde beschlagnahmt und versiegelt. Als bei weiterer Untersuchung der Sattel demontiert wurde, kamen Kabel aus dem Rahmen zum Vorschein. Als Kettenblatt und Kurbelsystem abgebaut werden sollten, was normalerweise ganz leicht geht, war dies zunächst nicht möglich. Alles war fixiert. Und der Motor war dort«, hieß es bei Sporza.

Nähere Angaben über Modell, Leistungsdaten und Betriebseigenschaften gab es vorerst nicht. Bislang hatten viele Straßenradprofis den Einsatz von Hilfsmotoren im Rennen vor allem deshalb für eher unwahrscheinlich gehalten, weil das Geräusch der bekannten Modelle zu auffällig sei. Weitere technologische Barrieren für das sogenannte »Motordoping« wie Größe, Stromversorgung und Laufleistung sind mittlerweile aber gelöst.

Die französische Sportzeitung »L’Equipe« veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Interview mit dem ungarischen Ingenieur Istvan Varjas, der nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren etwa ein Dutzend Rennräder jährlich mit speziellen Hilfsmotoren ausrüstet. »Die Motoren haben etwa die Größe eines USB-Sticks, sind leicht einzubauen, für Mechaniker aber schwer zu finden und ermöglichen verschiedene Leistungseinstellungen«, erklärte Varjas. Kostenpunkt zwischen 100 000 und 150 000 Euro. Der Ingenieur geht davon aus, dass solche Motoren bereits seit 1998 im Peloton in Gebrauch seien. »Die Fans glaubten auch bei EPO die ersten zehn Jahre nicht daran, dass das eingesetzt werden würde«, wagte er einen Vergleich zum anderen großen Dopingkomplex, dem der Blutmanipulation.

Die Erklärungen aus dem Lager Van den Driessches hören sich nun auch so an wie die Beteuerungen der Dopingsünder. »Es handelt sich gar nicht um Femkes Rad. Es gehörte jemandem, der manchmal mit ihr zusammen trainiert. Es war gar nicht für den Einsatz im Wettkampf vorgesehen«, erzählte ihr Vater der belgischen Tageszeitung »Het Nieuwsblad«. Der Fahrerin droht nach neuem UCI-Reglement eine sofortige Sperre und eine Geldstrafe zwischen 100 000 und einer Million Franken.

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