01.02.2016

WHO ruft globalen Gesundheitsnotstand wegen Zika-Virus aus

Weltgesundheitsorganisation berät Maßnahmen zur Eindämmung des Erregers / Expertin des Robert-Koch-Institutes: Ausbreitungsrisiko in Deutschland eher gering

Die WHO hat angesichts der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Koordinierte weltweite Anstrengungen seien nötig, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Update 19.45 Uhr: WHO ruft globalen Gesundheitsnotstand wegen Zika-Virus aus
Die Weltgesundheitsorganisation hat angesichts der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Koordinierte weltweite Anstrengungen seien nötig, um eine weitere Ausbreitung des tückischen Virus zu verhindern, sagte die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Montagabend in Genf.

Die Staaten müssten sich auf Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Virus konzentrieren. Es bestehe der starke Verdacht, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Erreger und den Verformungen bei Neugeborenen sowie neurologischen Schädigungen bestehe. Die Lage sei alarmierend.

Das Zika-Virus breitet sich derzeit vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika aus. Betroffen sind auch Länder in Afrika, Asien und im westpazifischen Raum. Wissenschaftler entdeckten das Virus erstmals 1947 in einer Forschungsstation in Uganda bei Rhesus-Affen.

Die WHO äußerte die Befürchtung, dass sich aufgrund des Wetterphänomens El Niño die Aedes-Aegypti-Stechmücken stark vermehren, die das Virus übertragen. Die Infektion, die zu grippeähnlichen Symptomen führt, ist vor allem für Schwangere riskant. Allein in Brasilien registrierten die Behörden von Oktober bis Januar mehr als 3.800 Fälle von Schädelverformungen bei Neugeborenen.

Im größten Land Südamerikas werden inzwischen 220.000 Soldaten für den Kampf gegen das Zika-Virus aufgeboten. Sie sollen von Haus zu Haus gehen und die Bewohner aufklären, wie sie sich gegen die Stechmücken schützen und deren Brutstätten trocken legen können.

Was hilft gegen den Zika-Virus?

Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag wegen der Ausbreitung des Zika-Virus über die Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstands beraten. Dies teilte ein WHO-Sprecher am Nachmittag mit. Das Ergebnis der Experten-Runde soll am morgigen Dienstag bekanntgegeben werden. Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt.

Der Expertenrat soll Maßnahmen zur Eindämmung des Erregers vorschlagen, der sich in Lateinamerika rasant ausbreitet und mit einem starken Anstieg von Fehlbildungen bei Neugeborenen einhergeht. Eine Notfallregelung würde auch Staaten außerhalb der Seuchengebiete verpflichten, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen.

Allein in Brasilien gibt es bisher rund 4180 Verdachtsfälle von möglichen Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie). Bei einer Mikrozephalie kommen die Babys mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt; dies führt meist zu geistigen Beeinträchtigungen. Die WHO spricht von einer zeitlichen und räumlichen Übereinstimmung der Fehlbildungen mit der Ausbreitung des Zika-Erregers.

Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI) hält es für möglich, dass die Ausbrüchen des Zika-Virus und Hirnfehlbildungen bei Neugeborenen in einem direkten ursächlichen Zusammenhang stehen. Dies äußerte sie in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: »Es deutet einiges in diese Richtung. Was man noch gar nicht abschätzen kann, ist, ob noch Co-Faktoren vorhanden sein müssen.« Theoretisch wäre auch möglich, dass das Zika-Virus gänzlich unschuldig ist und zum Beispiel Antikörper gegen andere Viren oder ein Medikament die eigentlichen Auslöser sind.

Eine möglichen Gefährdung der hiesigen Bevölkerung könne durch infizierte Reiserückkehrer und heimische Mücken entstehen, erklärte Frank vom RKI: »Wir können auch nicht ausschließen, dass es durch infizierte Reiserückkehrer und hier vorhandene Mücken punktuell auch Übertragungen in Deutschland gibt. Große Ausbrüche hier halten wir aber für sehr unwahrscheinlich, weil dafür das Klima in Deutschland ungünstig ist.« Schwangeren rät sie jedoch von Reisen in die Ausbruchsgebiete ab. Agenturen/nd

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