Obama will Militärpräsenz gegen Russland massiv ausweiten

Bericht der »New York Times«: Budget für Truppen und Waffen im östlichen Mitteleuropa soll vervierfacht werden / Eine Kampfbrigade soll ständig einsatzfähig sein

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Die Zahlen in den Plänen überraschen selbst Experten: Das Weiße Haus will die US- und NATO-Truppen im östlichen Mitteleuropa massiv verstärken. Ein Zeichen gegen Russland - daraus macht die US-Führung keinen Hehl.

Zu Beginn seines letzten Amtsjahres plant US-Präsident Barack Obama, die Präsenz von US-Truppen, Ausrüstung und Bewaffnung in den NATO-Staaten des östlichen Mitteleuropas massiv zu verstärken, berichtet die »New York Times«. Ein Schritt, der eindeutig der Abschreckung gegenüber Russland dienen soll. Das Blatt beruft sich auf Pläne des Weißen Hauses und hochrangige Regierungsmitarbeiter. Demnach sollen die aktuellen Ausgaben für die US-Militärpräsenz im östlichen Mitteleuropa von jährlich rund 800 Millionen US-Dollar auf rund 3,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 steigen – mehr als eine Vervierfachung. Die Waffen und Ausrüstung sollen NATO- und US-Truppen befähigen, jederzeit eine voll bewaffnete Kampfbrigade in der Region vorzuhalten.

Das sei keine Kurzschlussreaktion, zitiert das Blatt einen hochrangigen Regierungsmitarbeiter, es sei eine »längerfristige Antwort auf eine geänderte Situation in Europa«: Die zusätzlichen Truppen seien ein Signal an Russlands Präsident Wladimir Putin, dass »der Westen weiterhin zutiefst misstrauisch gegenüber seinen Motiven in der Region sei«.

Wie Russland auf die Ankündigung der massiven Verstärkung reagieren wird, blieb zunächst unklar. Seit dem Minsker Abkommen zum Ukraine-Konflikt scheint die russische Administration bemüht, die Spannungen zu minimieren, auch mit Blick auf die ökonomischen Sanktionen. Die amerikanischen Pläne sollen also offenbar ein Zeichen der Abschreckung sein – und gleichzeitig ein Signal sowohl an die Staaten, in denen mehr Truppen stationiert werden, zum Beispiel die baltischen Staaten oder Ungarn, aber auch an die Staaten, die außerhalb der NATO liegen, namentlich die Ukraine und Moldau.

Das Ausmaß der Budgetanforderung kam laut »NYT« selbst für Washingtoner Experten überraschend. Eine endgültige Entscheidung über das mittelfristige militärische Engagement der USA im östlichen Mitteleuropa will Präsident Obama jedoch offenbar dem nächsten Präsidenten oder der nächsten Präsidentin überlassen: Das zusätzliche Geld für 2017 soll einmalig aus einem Sonderbudget umgeschichtet werden, das ursprünglich für Operationen in Syrien, Irak oder Afghanistan vorgesehen war – gleichzeitig umgeht Obama so bestehende Budgetobergrenzen. Über das Ausmaß der Finanzierung und deren Fortführung müsste also die künftige US-Administration entscheiden.

Im NATO-Russland-Abkommen von 1997 hatten sich beide Seiten verpflichtet, keine größeren Verbände oder Truppenzahlen in der Nähe der Grenze Russlands oder entlang der NATO-Außengrenze zu stationieren. Schon länger plant das US-Militär jedoch, eine ständig kampfbereite Brigade im östlichen Mitteleuropa zu stationieren, werden militärische Einrichtungen in der Region erneuert. Die US-Seite wertet dies nicht als Bruch des Abkommens. Vor allem die NATO-Mitglieder Polen und die baltischen Staaten pochen darauf, dass russische Militäraktivitäten im Osten der Ukraine selbst schon einen Bruch des Abkommens darstellen. Die russische Seite widersprach den Anschuldigungen wiederholt. nd/stf

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