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Unter Strom - von Dessau bis München

Die Anzahl der E-Autos wächst nur langsam, doch die A9 weist bereits eine bemerkenswerte Ladeinfrastruktur auf

  • Von Harald Lachmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Für Elektroautos wird zunächst einmal eine zuverlässige Infrastruktur an Schnellladesäulen gebraucht. Die fehlt zumeist noch, aber an der Autobahn 9 ging es inzwischen sichtbar voran.

Im Jahr 2020, so hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vollmundig erklärt, würden eine Million Elektroautos über deutsche Straßen surren. Ende letzten Jahres waren es gerade knapp 19 000 - eine magere Bilanz, selbst wenn sich die Anzahl gegenüber 2014 damit um rund ein Drittel erhöhte. Die promovierte Physikerin Merkel weiß freilich auch, woran es hakt: Es fehlen leistungsfähige und zugleich platzsparende Batterien, mit denen man nicht nach gut 100 Kilometer an die nächste Ladesäule muss, sowie zunächst einmal eine zuverlässige Infrastruktur an Ladesteckdosen, gerade auch für den Überland- und Fernverkehr.

Dabei tut sich gerade in dieser Frage inzwischen einiges. Ende 2015 wurde das Ergebnis eines bayerisch-sächsischen Forschungsprojekts für alltagstauglich erklärt und damit zur allgemeinen Nutzung freigegeben. Es stellt einen wichtigen Meilenstein zur Schaffung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für E-Cars auf deutschen Fernstraßen dar. Denn seither befinden sich zwischen München, Ingolstadt, Nürnberg, Leipzig und Dessau - also entlang der Autobahn 9 - acht Schnellladesäulen für Gleichstrom (50 Kilowatt), an denen der E-Car-Pionier neue Energie tanken kann. Die Abstände zwischen diesen Elektrotanken betragen im Schnitt knapp 60 Kilometer. Zumeist wurden sie neben Autobahnraststätten auf speziell reservierten Parkflächen angelegt, so dass der Fahrer das Nachfassen von Strom gleich auch für die eigene energetische Stärkung nutzen kann.

Betrieben wird das Projekt inzwischen kommerziell durch die in Berlin ansässige Allego GmbH. Bezahlen können die Nutzer entweder mittels SMS oder per Roaming-Vereinbarung mit ihrem Mobilitätsdienstleister. Dass sich der bisherige Aufwand für die Schaffung sowie für den Betrieb dieser Infrastruktur angesichts der niedrigen Anzahl von Elektroautos noch nicht rechnet, ist klar. Derzeit sind erst einige hundert Elektromobilisten für das neue System registriert.

Doch wenn die Nutzerzahlen deutlich zunähmen, werde auch der wirtschaftliche Betrieb der Säulen möglich, erklärt Eon-Chef Robert Hienz zuversichtlich. Der Energiekonzern war zusammen mit dem Automobilbauer BMW sowie der Siemens AG maßgeblich an jenem Forschungsprojekt beteiligt, mit dem erstmals Elektromobilität auf der Langstrecke Realität werde, heißt es dazu auch im Bundeswirtschaftsministerium. So war das Vorhaben auch ein besonders gewichtiges innerhalb des Programms »Schaufenster Elektromobilität«, das seit 2011 mit rund 300 Millionen Euro durch Bund und Länder gefördert wurde.

Vier Schaufenster wurden damit geöffnet - neben besagtem bayerisch-sächsischen Brückenschlag unter den Namen »Elektromobilität verbindet« auch je eins in Baden-Württemberg (LivingLab BWe mobil), in Niedersachsen (Unsere Pferdestärken werden elektrisch) sowie in Berlin und Brandenburg, wo man gemeinsam durch ein »Internationales Schaufenster Elektromobilität« blickt. Und inzwischen gelang für die Schnelllade-Piste an der A9 auch bereits der Schulterschluss ins Märkische und nach Berlin. Als Bindeglied hierfür dient die Ladesäule in Dessau.

Einer breiten Fachöffentlichkeit werden sowohl jene Schnellladensäulen-Piste an der A9 als auch alle weiteren von Bund und Ländern geförderten Verbundprojekte zur E-Mobilität am 14. und 15. April 2016 in Leipzig vorgestellt. Den Rahmen hierfür liefern die Messen new mobility 2016 und AMI AutoMobil International. Die Besucher einer derzeit vorbereiteten »Ergebniskonferenz Schaufenster Elektromobilität 2016« sollen dann interaktiv mittels Ausstellungen, Exponaten und Demonstratoren auf den aktuellen Stand gebracht werden. Auch Probefahrten mit Elektroautos, die dazu auf dem Leipziger Messegelände starten, sind dann möglich. Immerhin baut BMW nur wenige Autominuten entfernt in seinem Leipziger Werk die beiden rein elektrischen Modelle i3 und i8.

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