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Die Frauen fahren voraus

Frauenradsport liegt im Trend

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Der Frauenradsport wird immer bedeutender: Nach dem Vorbild der World Tour der Männer haben jetzt auch die Radsportlerinnen ihre Women’s World Tour. Richtig spannend sind ihre Rennen schon lange.

Doha. Chantal Blaak konnte sich über ein gutes Omen freuen. »Weltmeisterin, Weltmeisterin« - so neckten ihre Kolleginnen des Teams Boels Dolmans die 26-jährige Holländerin. Sie gewann den zweiten Zwischensprint der ersten Etappe der Ladies Tour of Qatar. Und der wurde genau dort ausgetragen, wo es im Oktober um die Regenbogentrikots gehen wird. Dass bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaften die große Favoritin Kirsten Wild, ebenfalls aus Holland, nicht zum Zuge kam, weil sie schlecht positioniert war, ist ein überraschender Fingerzeig. Wild gewann dann aber standesgemäß die Etappe und übernahm am Dienstag damit die Führung in der Gesamtwertung.

Dass die Frauen bei der Erprobung des WM-Kurses den Männern vorausfahren, ist im Radsport nichts Neues mehr. Immer mehr Frauenrennen sind an große Männerrennen gekoppelt - und meist haben die Sportlerinnen ihren Zielsprint schon ausgefochten, während die Männer noch auf der Strecke sind. Bei der Tour de France ist das so, bei der Vuelta a Espana ebenfalls. La Course by Le Tour de France heißt das Frauenrennen am letzten Tourtag in Paris, La Madrid Challenge by La Vuelta das Pendant in Spanien. Ausrichter ist jeweils die Amaury Sport Organisation (ASO). Auch jetzt in Katar, wo auf die nun schon zum achten Mal ausgetragene Ladies Tour, die noch bis zum 5. Februar läuft, mit einem Tag Pause das Männerrennen folgen wird.

»Für uns ist es gut, Rennen zu haben, die an die Männerrennen anknüpfen. Das gibt uns das Gefühl, dazuzugehören«, lobt Lisa Brennauer, Ex-Weltmeisterin im Zeitfahren, diese Kombinationspraxis. Auch traditionsreiche Eintagesrennen wie die Flandern-Rundfahrt, der Wallonische Pfeil und die Strade Bianche werden mittlerweile für Frauen und Männer angeboten. Die Frauenrennen sind allesamt Teil der neuen Women’s World Tour.

»Frauenradsport wird für uns immer bedeutender. Wir wollen, dass er wächst. Die Women’s World Tour ist da ein gutes Instrument«, meint der Wettkampfdirektor der ASO, Jean-Francois Pescheux, gegenüber »nd«. Pescheux tüftelt seit Jahrzehnten den Tourkurs aus und ist in der selben Rolle auch in Katar tätig. Dass ein ASO-Funktionär mal eine UCI-Veranstaltung wie die Women’s World Tour vorbehaltlos lobt, ist angesichts des häufigen Kompetenzgerangels zwischen Veranstaltern und Weltverband umso bemerkenswerter.

Beim Frauenradsport können die Beteiligten aber nur gewinnen, wenn sie zusammenarbeiten. Und das tun sie hier. »Gut ist, dass die Veranstalter neuerdings verpflichtet sind, für Fernsehaufnahmen zu sorgen, entweder live oder als Zusammenschnitt. Das sorgt für mehr Sichtbarkeit«, streicht Brennauer im Gespräch mit dieser Zeitung einen weiteren Aspekt heraus. Die Sichtbarkeit kann nicht nur mehr Sponsoren anziehen, sie ist auch für die Sportlerinnen nützlich. »Für uns ist es gut, wenn wir später noch einmal unsere Rennen sehen können und dabei die Taktiken der anderen und die eigenen Fehler analysieren. Manches sieht man im Rennen selbst, wegen der Komplexität des Geschehens, dann doch nicht«, meint Brennauer.

Aufgrund des Livestreams konnte man in Doha auch den WM-Test-Sprint von Chantal Blaak am Monitor verfolgen. Allerdings nur im Internet-Livestream, nicht im Fernsehen. Die TV-Anstalten scheuen sich noch vor Direktübertragungen. Vom sportlichen Gehalt her unverständlich, findet Ronny Lauke, Chef vom neuen deutschen Rennstall Canyon SRAM, bei dem neben Brennauer unter anderem auch Trixi Worrack und Mieke Kröger unter Vertrag sind. »Frauenrennen werden immer spannender. Das sieht man deutlich bei den Weltmeisterschaften. Die Männerrennen dort muss ich mir nicht mehr über Stunden angucken. Da ist sehr viel vorhersehbar. Man braucht zwar die Länge über 260 Kilometer, um die Spreu vom Weizen zu trennen, aber bis kurz vor dem Finale passiert nicht viel. Bei den Frauenrennen hingegen gibt es von Beginn an Aktionen«, wirbt Lauke für die Wettkämpfe seiner Athletinnen.

Dass Frauenrennen immer besser geworden sind, hat auch damit zu tun, dass mehr Geld im Umlauf ist. »Die Mannschaften sind besser aufgestellt. Sie können nicht nur den Spitzenfahrerinnen Geld geben, sondern auch denen an Position sieben, acht und neun. Dadurch nimmt die Leistungsdichte im Feld zu und die Rennen werden umkämpfter«, erklärt Lauke.

Bis in die Bevölkerung Katars hat sich das allerdings noch nicht herumgesprochen. Die Rennstrecke ist weitgehend frei von Besuchern. Und auch die Hunderten Zuschauer im Zielbereich sind vor allem aus beruflichem Interesse vor Ort. Der Aufbruch schlägt noch nicht in einen Boom um - jedenfalls nicht in Doha.

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