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Pogida in Babelsberg gestrandet

800 Babelsberger und Unterstützer stellten sich 80 Vertretern von Pogida entgegen / Nach 300 Metern wurde die fremdenfeindliche Initiative gestoppt

  • Von Tomas Morgenstern und Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.
Zum sechsten Mal versammelten sich die Gegner einer flüchtlingsfreundlichen Politik in einem Potsdamer Stadtteil. Doch die »Verteidiger des Abendlandes« kamen nicht weit, denn die Babelsberger verwehrten den Durchmarsch.

Mit dem für seine linke Tradition bekannten Stadtteil Babelsberg hatten sich die Fremdenfeinde von Pogida von vorn herein ein heikles Pflaster für ihren sechsten »Abendspaziergang« ausgewählt. In gleich sieben Gegenkundgebungen und -demonstrationen hatten sich zahlreiche empörte Einwohner und Aktivisten an verschiedenen Orten zum Empfang der schließlich rund 80 »Pogidisten« versammelt. Anmelder waren das Bündnis »Potsdam bekennt Farbe«, der LINKE-Kreisverband, der »SV Babelsberg 03«, der VVN-Bund der Antifaschisten, der Bürgerverein Musikviertel, die Initiative »Babelsberg bleibt bunt« und eine antifaschistische Initiative. Die Polizei sprach von 800 Babelsbergern und Unterstützern, darunter Familien mit Kindern und auch viele ältere Menschen.

Die am Bahnhof »Medienstadt Babelsberg« unter heftigen Protesten gestarteten »Verteidiger des Abendlandes« kamen nicht weit. Nach vielleicht 300 Metern auf der geplanten Route auf der Großbeerenstraße war kein Durchkommen mehr. Begleitet von einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert und Sprechchören hatten Demonstranten mit einer Sitzblockade die Straße gesperrt. Die Polizei, die mit 1000 Beamten aus Brandenburg, Berlin, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hessen im Einsatz war, ließ zwei Wasserwerfer auffahren und einen Hubschrauber kreisen. Am Ende beließ sie es bei Ermahnungen an die Adresse der Babelsberger und nahm von einer Räumung Abstand.

In der Polizeimeldung hieß es dazu: »Ein bedeutender Teil dieser Personen kam den mehrfachen Aufforderungen der Polizei, die rechtswidrige Blockade zu beenden, nicht nach. Unter diesen Umständen hat der Anmelder der ›Pogida‹ nach Abstimmung mit dem Polizeiführer seine geplante Aufzugsstrecke verändert und seine Demonstration zum Ausgangspunkt zurück durchgeführt.« Die Vertreter der Polizei hatten erklärt, auf einer Alternativroute die Sicherheit der Demonstranten nicht gewährleisten zu können, so dass den Pogida-Anhängern nur der kleinlaute Abmarsch in Richtung »Medienstadt Babelsberg« blieb. Am Ende kündigte die Polizei an, die Teilnehmer der rechtswidrigen Blockaden zu identifizieren, um Strafverfahren einleiten zu können.

Die Krawallbilanz nach Abschluss der Versammlungen war bescheiden. Zu einem »Scharmützel« kam es in der Großbeerenstraße, als Beamte die linke Kiezkneipe »Nowawes« stürmten und einen jungen Mann festnahmen. Er habe Polizisten behindert, als die nach einer vorausgegangenen Beleidigung Personalien feststellen wollten, hieß es. Zudem seien bei einem Pogida-Ordner verbotene Quarzhandschuhe und bei einem Teilnehmer einer Gegenveranstaltung ein verbotenes Einhandmesser sichergestellt und in beiden Fällen Strafverfahren eingeleitet worden.

Polizeibeamte stürmten am Mittwochabend außerdem die linke Kiezkneipe »Nowawes« in Babelsberg. Dabei nahmen sie einen Mann fest, der zuvor Polizisten bei der Aufnahme von Personalien behindert haben soll. Der Einsatz stand im Zusammenhang mit den Protesten zu der islamfeindlichen Pogida-Demonstration, die am selben Abend nur eine stark verkürzte Strecke laufen konnte. Im Internet wurde ein Video der Stürmung veröffentlicht, indem heftige Rangeleien zwischen Polizisten und Kneipenbesuchern zu erkennen sind. Polizisten schlagen offenbar mehrmals auf Gäste ein, um sich Platz zu verschaffen und den Tatverdächtigen festzunehmen zu können.

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