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Ü30-Party für Tourismuswerber

2015 erstmals mehr als 30 Millionen Übernachtungen / Viermal so viele wie 1990

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Seit Jahren steigen die Besucherzahlen. Das ist gut für die Berliner Wirtschaft, bereitet Anwohnern aber auch Kummer.

»›Weltstadt‹ kommt mir inzwischen locker über die Lippen«, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer der offiziellen Tourismuswerbegesellschaft visitBerlin. Die Hauptstadt sei eine »touristische Superpower«, also Supermacht, sagt er auch. Vielleicht liegt es an dem immer wieder beschworenen Geschichtsort, dass er auf diesen etwas martialischen Vergleich kommt. Er ist sichtlich angetan von den Zahlen des Jahres 2015: 30,25 Millionen Übernachtungen zählte das Statistische Landesamt Berlin-Brandenburg. »Diese Zahl hatten wir erst für 2020 erwartet«, sagt Kieker. Mit einem Anteil von 45 Prozent ausländischer Touristen sei auch das Ziel einer Internationalisierung des Publikums erreicht worden.

»Beeindruckende Zahlen« seien das, findet der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Auch die Zahl von täglich 500 000 Berlin-Besuchern findet er beeindruckend. Allerdings sind darin alle Menschen, die in die Hauptstadt kommen enthalten, also auch Arbeitspendler. Ebenso beeindruckend sei es, wie die Stadt das verarbeite. Der Tourismus sei ein »Riesenwirtschaftsfaktor«. Die Hälfte aller Gedenkstättenbesucher und sogar drei Viertel aller Museumsbesucher seien Touristen, »darum ist es wichtig, im Kulturbereich weiter zu investieren«.

Michael Zehden, Aufsichtsratsvorsitzender von visitBerlin, freut sich über die auf 60,5 Prozent gestiegene Hotelauslastung. »Vor ein paar Jahren waren wir noch weit unter 50 Prozent«, erinnert er. Der Durchschnittserlös pro verfügbares Zimmer sei um sieben Prozent auf 72 Euro gestiegen. Das helfe den kleinen und mittleren Hotels, denen der Mindestlohn und Tourismusabgabe »City Tax« nach Zehdens Worten zu schaffen machten.

»Wir sind im Club der Ü30 dabei«, also jener Städte, die über 30 Millionen Besucher jährlich haben, freut sich Kieker. Neben London, Paris und New York seien das noch Dubai, Hong Kong und Singapur.

»Berlin ist so attraktiv, weil es authentisch ist«, sagt Kieker. Da müsse man auch aufpassen, dass das so bleibe und nennt Venedig oder auch Teile Barcelonas als abschreckende Beispiele. Die katalanische Metropole ist für jeden Tourismuswerber ein Graus, weil es dort zu echtem Protest gegen die Besuchermassen gekommen ist.

Auch hier geht der Ansturm nicht spurlos an innerstädtischen Quartieren vorbei. Seien es die Ferienwohnungen, von Anwohnern als »Ballermann« bezeichnete Nachtlebenmeilen oder auch die im letzten Jahr an mehreren Brennpunkten stark angestiegene Kriminalität vor allem von gewaltbereiten Taschendieben.

»Bei den Ferienwohnungen geht es gar nicht so sehr um die absolute Zahl«, sagt Michael Müller, »sondern darum, dass sie sich in wenigen Straßenzügen in attraktiven Wohnlagen ballen.« Das Zweckentfremdungsverbot folge da einem stadtentwicklungspolitischen Konzept. »Punktuelle Verbesserungen« sieht der Regierende Bürgermeister beim Thema Toleranz und Rücksichtnahme in belasteten Quartieren. »Es wird nicht möglich sein, auf jedes individuelle Interesse Rücksicht zu nehmen«, sagt er. Die Kriminalitätsentwicklung sei nicht mit dem Tourismus gleichzusetzen, zur Eindämmung gebe es die »Überlegung, an öffentlichen Orten mit Kameras zu arbeiten«.

Zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) im März wird die Hauptstadt mit dem neuen Slogan »365/24 Berlin« antreten. Er möchte die Stadt mit dem neuen Claim verkaufen, formuliert es Kieker. Er soll ausdrücken, dass das ganze Jahr zu jeder Uhrzeit hier etwas zu erleben ist.

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