Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Verbände prangern soziale Ungleichheit an

Armutsbericht 2016: Untere Mitte hat schlechtere Aufstiegschancen - und höhere Abstiegsrisiken / Oberste zehn Prozent besitzen über 51,9 Prozent des Nettovermögens

Berlin. Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist trotz guter Konjunktur laut Experten in den vergangenen Jahren gewachsen. »Auch in einer Phase mit Rekordbeschäftigung haben wir keine zurückgehenden Armutsquoten«, sagte die Sozialexpertin Dorothee Spannagel der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Einen Überblick zur Entwicklung der Armut will der Paritätische Wohlfahrtsverband mit weiteren Verbänden an diesem Dienstag in Berlin geben. Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk, Pro Asyl und weiteren Verbänden legt der Verband dazu den Armutsbericht 2016 vor. Bereits in den vergangenen Jahren hatte man vor wachsender Armut gewarnt - politisch ist dagegen nicht viel passiert.

Bei seinem Verständnis von Armut stützt sich der Verband auf die offizielle Statistik für das Risiko, arm zu werden - definiert als Einkommen unter 60 Prozent des Durchschnitts. Spannagel hat die Entwicklung für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung untersucht. »Die Einkommensungleichheit hat seit den 90er Jahren zugenommen, vor allem zwischen 1999 und 2005«, sagte sie. »Damals hat sie in Deutschland europaweit so stark zugenommen wie in sonst keinem anderen Land.« Zwar sank die Ungleichheit gemessen am Haushaltseinkommen von da an bis 2010 wieder. Dann vergrößerte sich die Kluft aber wieder. Die Daten, auf die sich Spannagel in ihrer jüngsten Studie vom vergangenen Herbst beruft, reichen allerdings nur bis 2012.

Hauptursache für die Ungleichheit sei, dass es Lohnzuwächse vor allem bei den höheren Gehältern gegeben habe. Der Niedriglohnbereich sei davon weitgehend abgekoppelt, so Spannagel. Zudem sei die Bedeutung der Kapitaleinkünfte im Vergleich zum Lohneinkommen gewachsen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts verfügen die obersten zehn Prozent der Haushalte über 51,9 Prozent des Nettovermögens - die untere Hälfte nur über 1 Prozent. Diese jüngsten Zahlen zeigen den Stand von 2013. 1998 hatten die reichsten zehn Prozent nur 45,1 Prozent, die unteren 50 Prozent 2,9 Prozent des Vermögens.

Spannagel betonte, für die untere Mitte hätten sich die Aufstiegschancen verringert und die Abstiegsrisiken vergrößert. In den Jahren seit 2005 seien mit knapp 16 Prozent etwa deutlich mehr Menschen aus der unteren Mitte der Einkommensverteilung abgestiegen als dies in den 80er Jahren mit knapp 12 Prozent der Fall gewesen sei. »Das ist ein massiver Einschnitt in die Chancengleichheit«, sagte Spannagel. Agenturen/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln