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»Eklatant asozial«: DGB legt Bericht über Verteilung vor

Gewerkschaftsverband sieht in Bekämpfung der Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen »eine der zentralen Fragen unserer Zeit«

Berlin. Die Beschäftigten in Deutschland haben trotz Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr im Schnitt 20 Euro weniger verdient als 1992. Das ist eines der Ergebnisse des Verteilungsberichts des gewerkschaftlichen Dachverbandes DGB, über den zuerst die »Frankfurter Rundschau« berichtete.

Zwar sei der durchschnittliche Bruttolohn seit 1991 von 1.659 auf 2.721 Euro gestiegen, also um 64 Prozent. Der Zuwachs sei aber durch höhere Abgaben und steigende Preise wieder zunichte gemacht worden, zudem habe sich der Ausbau des Niedriglohnsektors und die zurückhaltende Lohnpolitik auf die Lage der Arbeitseinkommen ausgewirkt.

Darüber hinaus lag die Ungleichheit bei den Einkommen 2014 so hoch wie nie zuvor. Ein Beispiel: Ein durchschnittlicher Vorstand eines DAX-Unternehmens erhielt pro Jahr das 167-fache eines durchschnittlichen Einkommensbeziehers. »Die Einkommenungleichheit in Deutschland hat in den vergangenen Jahren im Trend zugenommen. Von 2005 bis 2014 stieg sie um 18 Prozent. Aktuell liegt sie über dem Niveau des bisherigen Spitzenjahres 2007«, so der DGB.

Linkenchef Bernd Riexinger nannte dies »eklatant asozial«. Die »Frankfurter Rundschau« zitiert DGB-Vorstand Stefan Körzell mit den Worten, »die Bekämpfung der Ungleichheit ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit«. Die Ungleichheit, die sich nicht nur bei Löhnen, sondern auch bei Vermögen zeigt, schade wirtschaftlich. Es gelte »auch aus ökonomischen Gesichtspunkten, für Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen«, so Körzell, der sich gegenüber der Zeitung unter anderem für eine Vermögensteuer, eine wirkungsvolle Erbschaftsteuer sowie eine höhere Einkommensteuer aussprach.

In dem DGB-Verteilungsbericht wird zudem auf die weiterhin bestehende Lücke bei den Einkommen im Osten und im Westen hingewiesen. Zwar lägen die Tarifgehälter in den neuen Ländern bei 97 Prozent des Niveaus in der alten Bundesrepublik. Doch wegen Tarifflucht oder Gehältern unterhalb der Tarifeinkommen liegen laut DGB die tatsächlich gezahlten Effektivlöhne um ganze 17 Prozent unter dem Westniveau.

Die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen sind dagegen in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als Arbeitnehmerentgelte, die sich aus Arbeitskosten der Unternehmen und den abgeführten Sozialbeiträgen zusammensetzen. Seit 2000 legten die Kapitaleinkommen real um 33 Prozent zu, die Arbeitnehmerentgelte dagegen nur um knapp elf Prozent. Zwischen 2000 und 2014 seien die Betriebsüberschüsse der Kapitalgesellschaften um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr gestiegen, die Vermögenseinkommen um 8,2 Prozent.

Laut dem Verteilungsbericht des DGB gilt immer stärker: Einige wenige besitzen viel, ein großer Teil dagegen wenig oder gar nichts. »Insgesamt beläuft sich das Vermögen aller Deutschen laut DIW auf sechs bis neun Billionen Euro, das ist ein Vielfaches der deutschen Staatsschuld von rund zwei Billionen Euro«, so die »Frankfurter Rundschau«. Etwa 30 Prozent der Bundesbürger haben aber gar kein Vermögen oder Schulden – vor allem Erwerbslose, Auszubildende und ungelernte Arbeiter. »Die Vermögenskonzentration und -ungleichheit ist unter entwickelten Volkswirtschaften fast nirgends so ausgeprägt wie in Deutschland«, heißt es in dem Bericht. nd/Agenturen

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