Erdogan - der beleidigte Präsident

Mit Druck auf die Medien will Ankara Kritiker seiner Syrien-Politik ausschalten

  • Von Jan Keetman
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Drei Monate saßen der Chefredakteur der Istanbuler »Cumhuriyet« und ein Kollege in Untersuchungshaft. Wenn es nach Staatspräsident Erdogan geht, kommen sie da auch wieder hin.

Es hätte ein Wendepunkt in der Geschichte der türkischen Medien sein können. Das Verfassungsgericht hatte entschieden, dass die Inhaftierung von »Cumhuriyet«-Chefredakteur Can Dündar und seinem Büroleiter in Ankara, Erdem Gül, ein Verstoß gegen die Pressefreiheit sei. Dündar und Gül waren deshalb am Freitag nach drei Monaten Untersuchungshaft aus dem Gefängnis entlassen worden.

In regierungsfreundlichen Medien brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los. Die Istanbuler Zeitung »Günes« titelte auf der Frontseite: »Spionage ist nun erlaubt«. Unter anderem wegen des Spionagevorwurfs hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich die beiden Journalisten angezeigt.

Auf das Urteil öffentlich angesprochen, äußerte Erdogan zunächst mit verärgerter Miene, er wolle nichts zu der Entscheidung sagen - um dennoch sofort nachzulegen: Er respektiere die Entscheidung nicht, und er werde sich nicht nach ihr richten. Was Letzteres bedeuten soll, b...


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