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Zwei Städte zu Beginn des Krieges

Schüler aus Braunschweig und Lodz stellen in der Stiftung »Erinnerung Verantwortung Zukunft« das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit aus

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»Es gibt keine Chance, die Geschichte zu ändern. Man kann aber dafür sorgen, die Zukunft so zu gestalten, dass es keine Konflikte mehr gibt«. Für Monika Wielunska, Schülerin des Katholischen Gymnasiums in Łódź, ist das eine Erkenntnis, die sie aus dem Erforschen der leidvollen Geschichte ihrer Heimatstadt gewonnen hat. Nadine Mecke von der Neuen Oberschule Braunschweig hat vor allem gelernt, dass Vorurteile gegenüber Polen, die es heute wie auch schon in der Nazizeit gab, falsch sind. Beide Abiturientinnen sind sich darüber einig - das beste Ergebnis des einjährigen gemeinsamen Projektes ist ihre anhaltende Freundschaft.

Sie treffen sich oft. So auch geschehen in den Räumen der Stiftung »Erinnerung Verantwortung Zukunft« (EVZ), wo die zweisprachige Ausstellung »Braunschweig - Łódź 1939: Zwei Städte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs« der deutschen und polnischen Schülergruppe derzeit zu sehen ist.

Ein Jahr lang haben deutsche und polnische Jugendliche des 11. Jahrgangs sich über den Geschichtsunterricht hinaus mit Fragen zu Unrecht und Menschenrecht befasst, sich mit historischen und gegenwärtigen Perspektiven auseinandergesetzt. »Dabei sind sie nicht in der Geschichte geblieben, sondern haben Impulse für die Gegenwart und Zukunft gesetzt«, so Günter Saathoff vom Vorstand der Stiftung EVZ.

»Die neue, andersartige Brücke zwischen Deutschland und Polen«, so Carla Bühl, »hat das Projekt gebaut. Unsere Lehrer waren uns dabei eine wichtige Stütze.« Der Braunschweiger Geschichtslehrer Gustav Partington war sehr erfreut, als sich für den einjährigen Geschichtskurs 28 Schüler und Schülerinnen meldeten. »Immerhin fand er zusätzlich zu den Abiturkursen statt, brachte keine Punkte, aber wir haben etwas Ungewöhnliches geschafft.«

Im Oktober 2014 kamen die polnischen Schüler nach Braunschweig, im April 2015 fuhren die deutschen Teilnehmer nach Łódź. Dabei entwickelten sie die Ausstellung und arbeiteten gemeinsam in Archiven an Originaldokumenten, lasen Tagebücher und Briefe, sichteten Ausweise und Sterbeurkunden, befassten sich mit den Biografien polnischer Zwangsarbeiter, die in Braunschweig eingesetzt wurden und in der Mehrzahl aus dem Łódźer Ghetto kamen. In Łódź wiederum waren es die Begegnungen und Gespräche mit Zeitzeugen, die berührten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg, so die stellvertretende Leiterin des Łódźer Gymnasiums Malgorzata Szymanska, lebten in der zweitgrößten Stadt ihres Heimatlandes Polen, Deutsche, Juden und Russen friedlich zusammen. »Dann wurden sie zu Feinden, und ich meine, heute sind sie wieder Freunde.«

Gastfreundschaft erlebten die Braunschweiger, als sie in den Łódźer Familien wohnten und dabei auch das Alltagsleben im Nachbarland kennenlernen konnten. Verständigt haben sich die Jugendlichen auf Englisch, obwohl einige der polnischen Schüler bei Szymanska Deutsch lernen. Sie studierte in den 1970er Jahren an der Berliner Humboldt-Universität Germanistik und hat an diese Zeit noch sehr gute Erinnerungen.

Die Idee, Braunschweig und Łódź im Jahr 1939 in einer gemeinsamen Ausstellung gegenüberzustellen, kam von der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße. Hier war sie schon zu sehen, ebenso in Łódź. Nun ist die Dokumentation über die städtische Entwicklung von Łódź, dem »Manchester des Ostens«, und von Braunschweig, welches sich als nationalsozialistische Musterstadt präsentierte, in Berlin zu sehen.

Bis zum 7.3., Mo.-Do. 10-16 Uhr, Foyer der Stiftung EVZ, Lindenstraße 20-25, Kreuzberg.

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