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Weniger Flüge, bessere Luft

Klima- und Lärmschutz kommen bei offiziellen Luftverkehrsplanungen zu kurz

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Der Umweltverband BUND fordert von Bund und Senat wirksame Maßnahmen gegen das ungehemmte Flugverkehrswachstum, da sonst Klimaziele nicht erreicht würden.

Rund 7,30 Euro Gebühren verlangen die Berliner Flughäfen nach Recherchen des BUND durchschnittlich pro Passagier. Nach Ansicht des Verbandes müssten sich die Gebühren mehr als verdreifachen, um alle anfallenden Kosten auf die Verursacher umzulegen. Neben Bau- und Betriebsausgaben geht es dabei auch um Umwelt- und Gesundheitsschäden.

»Umweltschädliche Subventionen sind für uns eine ganz elementare Frage«, sagt Günter Treudt vom BUND Berlin. Es sei zwar »erfreulich«, dass im Energie- und Klimaschutzprogramm der Luftverkehr als ›Exkurs‹ angerissen wurde, so Werner Reh, Verkehrsexperte des Bundesverbandes, allerdings müssten der Erkenntnis, dass Flüge schon 2012 für 40 Prozent der Treibhauseffekte des gesamten Verkehrssektors verantwortlich seien, nun konkrete Maßnahmen folgen. Diese skizziert der BUND in einem Eckpunktepapier für einen zukunftsfähigen und umweltverträglichen Luftverkehr in der Hauptstadtregion.

Bis zu 55 000 Starts und Landungen pro Jahr ließen sich nach Berechnungen des BUND durch die Verlagerung von Kurzstreckenpassagieren auf die Eisenbahn einsparen. »Bis zu vier Stunden Zugfahrt werden allgemein akzeptiert«, sagt Reh. Ab 2018, wenn die ICE-Strecke durch den Thüringer Wald eröffnet wird, werden auch Nürnberg und München in dieser Zeit erreicht. Für Frankfurt gilt das schon heute, Düsseldorf und Köln liegen von der Fahrzeit nur knapp darüber. »Allein diese Maßnahme würde 630 000 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr einsparen«, rechnet Reh vor. Allerdings müsste die Bahn vor allem spontan Reisenden attraktive Preisangebote machen. Insgesamt hält er die Fokussierung auf Billigfluggesellschaften wie Easyjet oder Ryanair - sie befördern zwei Drittel aller Passagiere - für falsch. »Berlin könnte mehr hochwertigen Interkontinentalverkehr vertragen.«

Wichtig ist den Umweltexperten auch eine Verringerung des Fluglärms. Günter Treudt fordert, dass Berlin sich an den »vorbildlichen Regelungen« des Frankfurter Flughafens orientiert, wo die lärmabhängigen Entgelte in Ein-Dezibel-Schritten gestaffelt sind. Das schaffe echte Anreize, möglichst leise Maschinen einzusetzen. Zusätzlich wünscht er sich Lärmobergrenzen für jede überflogene Gemeinde. Steigt die Zahl der Flugbewegungen, müssten die Maschinen auf andere verbindliche Routen ausweichen. Bisher sind Piloten nicht eng an die modellhaft ausgelegten Korridore gebunden.

Zentral für den Gesundheitsschutz der Anwohner sei jedoch ein Nachtflugverbot. »Die Nacht hat acht Stunden und geht von 22 bis 6 Uhr«, sagt Treudt. Nachdem Berlin sich von den Plänen für ein Luftverkehrsdrehkreuz BER verabschiedet habe, stelle das auch kein großes Hindernis dar. »Wir wollen nicht mehr die Taschenspielertricks des Senats mit sogenannten Randstunden und ähnlichen Begriffen.«

»Wir wollen den Flugverkehr nicht sofort ausbremsen«, versichert Werner Reh. Zehn Euro pro Tonne CO2-Äquivalent hält er für einen angemessenen Einstieg in den Klimaschutz. »Das wären drei Cent pro Liter Kerosin.« Von Senatsseite werde häufig mit den wirtschaftlichen Vorteilen durch Touristen argumentiert, weswegen Einschränkungen bei Flügen nicht geplant sind. Das will Treudt so nicht gelten lassen: »Da wird häufig eine Brille aufgesetzt. Flughäfen bringen nicht nur Touristen und Geld, es wird über sie auch viel Geld in die Welt getragen.« 45 Millionen Fluggäste soll der BER nach offiziellen Planungen im Jahr 2045 haben. Der BUND möchte die Zahl auf 30 Millionen begrenzen.

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