Noch ist das Rennen nicht entschieden

US-Vorwahlen: Clinton und Trump bauen Vorsprung aus

Trump gegen Cruz 2:2, Clinton gegen Sanders sogar 1:2, der großmäulige Milliardär ist schlagbar, wie Kansas und Maine zeigten, der demokratische Sozialist kann weiter siegen, so die Botschaft aus Nebraska und Kansas. Doch die Ergebnisse der Präsidentschaftsvorwahlen vom Wochenende haben eine zweite Ebene. Denn sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern stand vor allem der große Südstaat Louisiana im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, und dort siegten die beiden Führenden in den Bewerberfeldern deutlich, holten so wichtige Delegiertenstimmen für die Nominierungsparteitage im Sommer und bauten ihren Vorsprung aus. Clinton steht nun bei 1117, inklusive der umstrittenen, weil nicht gewählten »Superdelegierten«, Sanders bei 477. Erforderlich für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten im Sommer sind 2383. Bei den Konservativen hat Trump mindestens 375 Delegierte hinter sich, Senator Ted Cruz 291, Senator Marco Rubio 123 und Ohios Gouverneur John Kasich 33. Sie brauchen 1237 Wahlmänner und -frauen.

Enttäuschend - vor allem auch für die republikanische Parteiführung, die weiter auf einen landesweit wählbaren Kompromisskandidaten hofft - war das Abschneiden von Senator Rubio, der wieder ohne Erfolg blieb. Gleich ganz ausgestiegen ist am Wochenende der frühere Neurochirurg Ben Carson. Der einzige schwarze Bewerber kam zuvor nicht über vorletzte oder letzte Plätze hinaus. Ende vergangenen Jahres hatte er in Umfragen noch knapp hinter Trump gelegen.

Der forderte jetzt Rubio auf, ebenfalls die Segel zu streichen, und beschwor ein Duell »Mann gegen Mann« mit Ted Cruz, der sein starkes Abschneiden als Beweis dafür sieht, dass sich Konservative im ganzen Land hinter seine Kandidatur stellten. Auf einer Kundgebung in Coeur D'Alene im Bundesstaat Idaho, wo am Dienstag abgestimmt wird, sprach er von einem »Zeugnis für einen echten Umschwung in der Dynamik«. Bei einem Mammuttreffen konservativer Aktivisten am Sonnabend in Washington votierten 40 Prozent der Konferenzteilnehmer für ihn, nur 15 für Trump. Die Frage, wer denn nun der »wahre« Konservative sei, spaltet die Republikaner.

Für den Sieger in Maine hatte Trump bei einer Rede in Florida am Sonnabend allerdings eine ganz andere Erklärung: Der Bundesstaat grenze nun mal an Kanada. Cruz wurde dort als Sohn einer US-Amerikanerin geboren, weshalb sein Rivale immer wieder in Frage stellt, ob er überhaupt Präsident werden könne.

Bernie Sanders geht trotz seines Rückstands mit Zuversicht in die nächsten Vorwahlrunden. Die Siege am Sonnabend zeugten von der Stärke seiner Kampagne, so der Senator aus Vermont. Jetzt gehe es um »einige sehr große Staaten«, etwa New York, Kalifornien, Oregon und den Bundesstaat Washington, wo er sich wieder Siegeschancen ausrechne. Es ist auffällig, dass sich auch am Wochenende der Trend aus den bisherigen Abstimmungen fortsetze: Hillary Clinton gewinnt in Staaten, in denen Afroamerikaner einen hohen Anteil an der Bevölkerung ausmachen, Sanders in »weißen«.

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