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Zank um Riesenkreuz und Doppeladler in Skopje

Denkmalstreit lenkt von Mazedoniens Problemen ab / Vor Parlamentswahlen werden erneut ethnische Spannungen geschürt

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

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Probleme hat das Mazedonien genug. Doch nun wird es auch noch vom Streit über die Errichtung eines Denkmals erschüttert. Ethnischen Spannungen scheinen bewusst geschürt zu werden.

Wenn Wahlen nahen, mehren sich in der Vielvölkerregion des Balkans keineswegs zufällig die ethnischen Spannungen. Ob zum Ablenken vom eigenen Augiasstall oder zur Selbstdarstellung als streitbarer Patriot: Die Trickkiste findiger Stimmenjäger beim gezielten Schüren von Vorurteilen oder Animositäten gegenüber anderen Volksgruppen oder Nachbarnationen scheint grenzüberschreitend unerschöpflich.

Auch in dem eskalierenden mazedonischen Streit um ein weiteres Monumentalkreuz in der Hauptstadt Skopje scheinen in erster Linie die für Anfang Juni geplanten Parlamentswahlen Pate zu stehen. Mit Lokalpolitikern der albanischen Partei DUI und dem der nationalpopulistischen VMRO nahe stehenden Mazedonischen Weltkongress stehen sich in dem Konflikt ausgerechnet Parteigänger der beiden Regierungsparteien scheinbar unversöhnlich gegenüber.

Ethnische Spannungen zwischen der mazedonischen Mehrheit und der albanischen Minderheit hatten den Balkanstaat 2001 sogar am Rande eines Bürgerkriegs taumeln lassen. Auch nun erregt der geplante Bau eines dritten, 55 Meter hohen Monumentalkreuzes in der Hauptstadt Skopje die Gemüter.

Bereits 2001 und 2013 wurden zwei 66 und 50 Meter hohe Kreuze zum Ärger der Albaner mit dem Segen der VMRO auf dem nahen Berg Vodno und dem Flughafen von Skopje errichtet. Ende Februar wurde von der VMRO beschlossen, ein Kreuz im Stadtteil Butel von Skopje zu errichten. Die Initiatoren betrachten das als Antwort auf die vor kurzem im nahen Viertel Cair erfolgte Einweihung eines Denkmals für den albanischen Doppeladler.

Doch nicht nur Probleme, sondern auch Monumente hat der von einer tiefen politischen Dauerkrise geplagte Balkanstaat eigentlich genug. Seit 2009 haben die nationalpopulistischen Machthaber Skopje mit eher schaurigen als schönen Kitschdenkmälern zugepflastert. Auf viele der in Skopje auf den Sockel gehievten vermeintlichen Nationalhelden erheben auch die Nachbarn Bulgarien und Griechenland Anspruch. In Bronze verewigte Albaner wie Fürst Skanderbeg oder Mutter Teresa lassen sich hingegen an einer Hand abzählen.

Wird der ausufernde Denkmalwald von Skopje vor allem von den Oppositionsparteien als sinnlose Mittelvergeudung kritisiert, gestaltet sich der nun entfachte Streit ums Kreuz als reine Regierungsangelegenheit. Es war der von den Nationalpopulisten dominierte Stadtrat von Butel, der Ende Februar die Errichtung eines Kreuzes absegnete. Es waren letzte Woche Politiker der albanischen Demokratischen Union für Integration (DUI), die die Demonstration gegen das als Provokation kritisierte Kreuz anführten. Außer dem Fundament kamen bei den aus dem Ruder gelaufenen Protesten dabei aber auch Polizisten zu Schaden.

An den Spannungen dürfte indes den Streithähnen beider Seiten gelegen sein. Sowohl die DUI als auch die VMRO können sich gegenüber ihren Wählern vor dem Urnengang im April wieder einmal als kompromisslose Streiter für die Interessen der eigenen Volksgruppen profilieren. Zudem lenkt die mediale Aufregung von den eigentlichen Übeln des Landes ab: Korruption, Vetternwirtschaft, systematischer Machtmissbrauch - und manipulierte Wahlen.

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