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Reifenwerksgelände wird zum Wald

Tausende Tonnen Bauschutz in Schmöckwitz entfernt - Aufforstung beginnt im Herbst

Noch liegen viele Bauschutthaufen und in Tüten verpackte gefährliche Abfälle auf dem Ex-Reifenwerksgelände in Schmöckwitz. Doch die Forstverwaltung verspricht, im Herbst beginnt die Aufforstung.

Am südöstlichen Stadtrand, ziemlich am Ende des Adlergestells, ist eine große Lücke im Wald: Ein alter Zaun riegelt das insgesamt 84 000 Quadratmeter große Gelände ab. Riesige Schutthaufen machen sich dort breit. Vor allem im hinteren Teil liegen noch große Beutel mit besonders belastetem Inhalt. »Das alles sind die Reste von mehr als 30 unterschiedlich großen Gebäuden, die früher zum Reifenwerk gehörten«, sagt Projektleiter Dirk Riestenpatt vom Landesforstamt.

Seit Februar vergangenen Jahres gehört der größte Teil des Grundstücks - 67 000 Quadratmeter - zum Fachvermögen der Berliner Forstverwaltung. Im Spätsommer 2015 wurde damit begonnen, das Areal von Gebäuden und Altlasten zu befreien. Rund 5500 Tonnen Baustellenabfälle und Sperrmüll, 5000 Tonnen giftiges Material sowie 12 100 Tonnen gefährliche Mineralien wurden bereits entsorgt.

»Es war ein Wettlauf mit der Zeit«, beschreibt Riestenpatt das Verfahren. Denn wegen Fördermitteln aus dem Umweltentlastungsprogramm mussten die Arbeiten bis Ende 2015 abgerechnet sein. »Einschließlich der Kosten für Erwerb, Abriss, Beräumung, Entsieglung und Entsorgung sowie Planung wurden bislang rund 5,1 Millionen Euro ausgegeben«, sagt er.

Weil aber noch nicht alle Schutthaufen weg sind, muss den Rest nun das Land Berlin aus Eigenmitteln finanzieren. Der Projektleiter schätzt, dass dafür noch mal ein siebenstelliger Betrag nötig ist. »Wir sind gerade dabei, das intern zu klären«, sagt der Projektleiter.

Dass es überhaupt zu dieser Verzögerung kam, hat etwas mit den vielen »bösen Überraschungen« zu tun, die erst während der Arbeiten auftauchten. So konnten beispielsweise die Holzdächer aufgrund der Einsturzgefahr vorher nicht umfänglich beprobt werden. Auch die während des Rückbaus entdeckten, mit Abfällen randvollen Keller, habe so niemand erwartet. Außerdem fanden die Abrissfirmen Asbest in vielen Häusern, der schließlich manuell beseitigt werden musste. »Insgesamt waren es komplizierte und vor allem überraschende Arbeiten«, sagt Dirk Riestenpatt. Er hofft, dass die verbliebenen Haufen bis Ende 2016 verschwinden.

In diesem Herbst will man mit der Aufforstung beginnen. Vor allem Birken und Kiefern sollen in die Erde: zunächst auf einem 40 Meter breiten, komplett entsiegelten Streifen parallel zum Adlergestell. Langfristig werden auf dem Areal wieder Eichen und Buchen wachsen - geplant ist ein Mischwald. Bis ihn allerdings Spaziergänger nutzen können, vergehen noch mindestens fünf Jahre. So lange bleibt der Zaun stehen.

Bereits jetzt fühlen sich auf dem Gelände Zauneidechsen wohl. Sie halten sich in zwölf extra abgegrenzten Bereichen auf, die auch künftig offenbleiben sollen. Ebenso Schwalben leben auf dem Areal und können seit kurzem ein für sie gebautes »Hochhaus« anfliegen. Ein alter Bunker wurde zum Winterquartier für Fledermäuse.

Fest steht: Der noch in Privatbesitz befindliche hintere Teil des einstigen Reifenwerksgeländes soll auch wieder in das Waldgebiet integriert werden. Das Land Berlin rechnet sich gute Rückkaufchancen aus.

In den vergangenen Jahren machte der Standort nur negative Schlagzeilen: Wegen illegaler Nutzungen, Großbränden, Polizeieinsätzen und Tausender Tonnen illegal abgelagerten Müll, beschäftigte er immer wieder die Behörden.

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