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Lebensrettendes Asyl in letzter Minute

Else Krell berichtet über ihre Flucht mit ihrer minderjährigen Tochter 1943 aus Berlin in die Schweiz

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Die 2008 in Berlin am Hackeschen Markt eröffnete »Gedenkstätte Stille Helden« widmet sich der Erinnerung an jene Menschen, die sich dem Völkermord der Nazis durch »Untertauchen« entzogen haben, und an deren mutige Helfer auch mit einer eigenen Publikationsreihe. Zu den sogenannten U-Booten in Berlin gehörte Else Krell. Ihren Erinnerungsreport verfasste sie wenige Jahre nach Kriegsende.


Else Krell: Wir rannten um unser Leben. Illegalität und Flucht aus Berlin 1943.
Hg. v. Claudia Schoppmann. Metropol. 229 S., geb., 19 €.


Im Vorwort des Buches zitiert die Herausgeberin Claudia Schoppmann einen Brief aus England, den die Gedenkstätte erhielt. Er kam von Else Krells Tochter. Sie schrieb: »Ich habe als zwölfjähriges Mädchen 1939 bis 1943 in Berlin gelebt, bin mit meiner Mutter 1943 den Nazis entflohen und habe zehn Monate lang im Untergrund dort verbracht … Im November 1943 ist es uns gelungen, in die Schweiz zu fliehen. Eine lange Geschichte, aus der man einen spannenden Film machen konnte. Ich überlasse es Ihnen, ob Sie mehr wissen wollen.«

Die Gedenkstättenmacher wollten natürlich mehr wissen. Herausgekommen ist ein schier atemloses Buch, das in eindringliche Weise die nach 1933 erfolgte Diskriminierung und Verfolgung der Juden in Deutschland schildert.

Else Krell wuchs in einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in München auf. 1936 müssen sie und ihr ebenfalls jüdischer Mann ihr Kaufhaus in Weiden in der Oberpfalz verkaufen. Sie ziehen mit den Kindern nach Berlin, wo ihr Mann als Vertreter Arbeit findet. Während erst der Mann, dann der Sohn nach England auswandern können, bleiben Mutter und Tochter in der Reichshauptstadt zurück. Mit der sogenannten »Fabrikaktion« Anfang 1943 sollten auch in Berlin die letzten noch in Deutschland geduldeten Juden in den Tod deportiert werden. In Berlin betraf es vor allem circa 15 000 jüdische Zwangsarbeiter in Rüstungsbetrieben.

Als Else mit ihrer Tochter abgeholt werden soll, tauchen die beiden sofort unter. Mehrfach wechseln sie ihr Versteck, bis ihnen schließlich dank einer katholischen Hausfrau namens Luise Meier die Flucht in die Schweiz gelingt. Dort finden Mutter und Tochter Unterschlupf bei einem Pfarrer. Else Krell hat die erste Begegnung mit dem Geistlichen festgehalten: »›Wir sind Flüchtlinge, Herr Pfarrer, wir sind gerade über die Grenze aus Deutschland gekommen. Wir sind Juden.‹ Staunen und Mitleid huschen über sein Gesicht, er will wissen, ob man die Polizei bereits benachrichtigt habe. Das Wort ›Polizei‹ lässt mich erstarren. ›Ihr braucht euch hier vor der Polizei nicht zu fürchten‹, beschwichtigt er mich, ›es wird nicht jeder ausgewiesen, es gibt gewisse Kategorien von Menschen, denen man Asyl gibt, aber es ist meine Pflicht, jeglichen illegalen Grenzübertritt sofort zu melden.‹«

Asyl in der Schweiz zu bekommen war allerdings so einfach nicht. Nachdem 1938 mehrere Tausend österreichische Juden in die Schweiz geflohen sind, wurde die Asylpolitik restriktiver. Das Boot ist voll, hieß es auch schon damals. Ab August 1942 wurden die Grenzen geschlossen und die Bewachung verstärkt. Gelangten jüdische Flüchtlinge dennoch illegal ins Land, mussten sie mit ihrer Auslieferung nach Deutschland rechnen. Diese inhumane Politik wurde erst im Juli 1944 geändert.

Else Krell und ihre Tochter hatten - anders als viele andere - Glück im Unglück. Was für ein aktuelles Buch!

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