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Plattenbauten kriegen was aufs Dach

Studie sieht Baulandreserven auf den Häusern / Wohnungsbaugesellschaft Mitte plant Aufstockung

Neue Wohnungen müssen nicht unbedingt auf der grünen Wiese entstehen. Eine der größten Baulandreserven in der Hauptstadt liegt ganz woanders: nämlich auf den Dächern.

Laut einer am Dienstag vorgestellten Studie des Pestel-Instituts Hannover und der TU Darmstadt könnten bundesweit auf den Dächern vorhandener Wohnbauten bis zu 1,1 Millionen Wohnungen entstehen. In Berlin wären es rund 50 000. Berücksichtigt wurden dabei vor allem Bauten, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. Würden auch ältere Gebäude und solche, die in Wohneigentum aufgeteilt sind, aufgestockt, könnten es 1,5 Millionen bzw. 88 000 Wohnungen sein. »Das wäre ein erheblicher Beitrag zum Abbau des Wohnungsmangels«, so Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Vorteil des Draufsattelns: Es wird kein zusätzliches Bauland gebraucht und keine Grünflächen versiegelt. Auch der Aufbau neuer Infrastruktur entfällt, Straßen und Wege müssen also nicht aufgebuddelt werden. Damit könnte schon mal bei den Erschließungs- und Grundstückskosten gespart werden. Die Studie geht von Baukosten von im Schnitt 1900 Euro pro Quadratmeter aus, die Mieten würden demnach bei etwa acht Euro pro Quadratmeter liegen, bei kommunalen oder genossenschaftlichen Bauherren sogar darunter. Damit wären sie erheblich preiswerter als Neubauwohnungen derzeit. Ein weiterer Vorteil wäre es aus Sicht der Autoren die kürzere Planungszeit: Für Dachwohnungen sind keine Bebauungspläne notwendig.

In Berlin werden derzeit etwa sieben Prozent der Dachgeschosse zum Wohnen genutzt. Aber auch in der Stadt wird das Potenzial zunehmend erkannt. Im vergangenen Jahr wurde der Bau von 4430 Wohnungen genehmigt, gut die Hälfte mehr als im Vorjahr. Allerdings wird bisher nur ein Bruchteil davon auch tatsächlich gebaut.

Aber das kann sich ändern. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) plant die Dachaufstockung in großem Stil. »Bei dem wenigen Bauland, über das wir verfügen, rufen die Dächer förmlich danach«, sagt Sprecherin Steffi Pianka. Erste Studien hätten ergeben, dass die Plattenbauten der Baureihe Q3A dafür gut geeignet wären. Die viergeschossigen Bauten könnten um bis zu drei Geschosse aufgestockt werden. Auch der Plattenbautyp P2 wird auf seine Eignung untersucht.

Etwa 300 bis 400 Wohnungen könnten auf den Dächern der Q3A-Bauten entstehen. Pianka spricht von serieller Modulbauweise, die auch auf anderen Gebäuden dieses Typs errichtet werden könnten. Zwischen Mitte und Köpenick gebe es immerhin 30 000 Wohnungen in diesen Häusern. Statische Probleme sieht die WBM nicht, auch die Fragen nach zusätzlichem Brandschutz und dem Anbau eines Aufzugs ließen sich lösen. Die Mieter in den unteren Etagen seien von Aufbauten direkt nicht betroffen, aber »gänzlich schmerzfrei« könne nicht gebaut werden.

An ein Förderprogramm für den Dachausbau denkt der Senat derzeit nicht. Für die Initiatoren der Studie aus der Bau- und Immobilienbranche wäre das aber notwendig, um finanzielle Anreize zu schaffen. Ideal wäre ein Bundesprogramm »Dachaufstockung«, sagt Günther. Die von der Bundesregierung beschlossene steuerliche Neubauförderung sollte auch auf den Dachausbau angewendet werden.

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