Von Johanna Treblin

Berliner Heimbetreiber feuert nach Gewaltvorfällen Security-Firma

SozDia-Stiftung und Berliner Flüchtlingsrat fordern bessere Standards für Sicherheitsfirmen in Flüchtlingsunterkünften - und eine ständige Kontrolle durch die Behörden

Eine Auseinandersetzung in einer Notunterkunft brachte den Heimleiter ins Krankenhaus. Der Betreiber hat nun die Sicherheitsfirma gewechselt.

Christoph Wiedemanns Stirn trägt einen Kratzer, die Nase mehrere Narben. Er ist Heimleiter einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Lichtenberg, die vor wenigen Wochen wegen einer Schlägerei in den Medien war. Sicherheitsmänner hatten zunächst Bewohner beleidigt, waren dann handgreiflich geworden, und am Ende flog Heimleiter Wiedemann ein blecherner Mülleimer an den Kopf. Er musste operiert werden: Stirnhöhlenvorderwandfraktur und Nasenwandfraktur. Die Sicherheitsfirma wurde mittlerweile ausgetauscht. Die SozDia-Stiftung als Trägerin der Einrichtung fordert aber auch Konsequenzen vom Senat.

»Die Hauptursache liegt nicht in der Security, sondern in der Unterbringungssituation«, sagte SozDia-Vorstandsmitglied Michael Heinisch, der am Mittwoch einen Katalog von Forderungen an den Berliner Senat vorstellte. Sein Standpunkt: Turnhallen eignen sich nicht zur Unterbringung von Menschen - höchstens für wenige Tage oder Wochen. Tatsächlich bleiben die meisten Flüchtlinge dort derzeit mehrere Monate.

Auch die SozDia-Unterkunft in Köpenick ist eine Turnhalle. Platz gibt es hier für 199 Menschen. In der Nacht zum Mittwoch hat Heimleiter Wiedemann hier geschlafen - oder besser gesagt: es versucht. Nachdem er drei Wochen nicht mehr in der Einrichtung war, wollte er die Atmosphäre aufnehmen und sich ein Bild von der aktuellen Situation machen. Seit Montag ist eine neue Sicherheitsfirma tätig. Von deren Auftreten war Wiedemann positiv überrascht. Eine gute Nacht hatte er allerdings nicht - vor allem wegen des Lärms. »Da hört einer Musik, ein anderer schlurft auf die Toilette, einer schnarcht. Um sieben Uhr gehen die Ventilatoren an, um die schlechte Luft hinauszutreiben.« Die SozDia würde die Turnhalle lieber früher als später schließen, doch im Moment ist ein Ende nicht absehbar.

Einfach war es auch nicht, eine andere Sicherheitsfirma zu finden. Die SozDia fordert nun von allen Wachleuten erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse und eine Bezahlung nach Tariflohn. Subunternehmen lehnt sie ab. Wachleute müssen nun Namensschilder tragen und ein Deeskalationstraining absolvieren. All dies, fordert Heinisch, müsse der Senat berlinweit durchsetzen - auch durch reguläre Kontrollen, statt Heime nur anlassbezogen zu begehen. Problematisch sei es, wenn Sicherheitsfirmen Unterkünfte betreiben. »Sie sind als Träger nicht geeignet.«

Unterstützt in ihren Forderungen wird die SozDia vom Berliner Flüchtlingsrat. Dessen Mitarbeiterin Katharina Müller forderte außerdem ein Beschwerdemanagement. »Bewohner müssen sich direkt ans LAGeSo wenden können.«

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken