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Lohnlücke nicht zu übersehen

Erste Proteste zum Equal Pay Day / Forderungen nach gleicher Bezahlung

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2015 erwirtschafteten Frauen 21,3 Prozent weniger Lohn und Gehalt als Männer. Eine geringe Veränderung ist möglicherweise dem Mindestlohn zu verdanken.

Frauen haben nicht nur »Lust«, sondern auch »Recht auf mehr«: Unter diesem Motto luden Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und andere Verbände am Freitag zu einer Kundgebung vor das Brandenburger Tor in Berlin. Anlass war der auf dem Samstag liegende »Equal Pay Day«. Der Tag markiert den Termin, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, damit sie auf das durchschnittliche Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen kommen. Wer die Adressaten der Forderungen sind (u.a. nach einem »Rechtsanspruch auf Rückkehr aus Teilzeit« und Regelungen zur »Durchsetzung der Lohngleichheit auf betrieblicher Ebene«), blieb eher vage. Möglicherweise deshalb, weil bei dem Thema unter den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft - zumindest in Worten - recht große Einigkeit herrscht. Fast alle sprechen sich für mehr Lohngerechtigkeit aus. Und trotzdem stagniert die Entgeltlücke seit Jahren nahezu unverändert auf hohem Niveau.

Einen winzigkleinen Hoffnungsschimmer gibt es, denn immerhin hat sich die Schere von 21,6 Prozent im Jahr 2014 auf 21,3 Prozent im Jahr 2015 verringert. Vermutet wird von den Forschern des Statistischen Bundesamts als Ursache die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns.

Gewaltig ist allerdings der Ost-West-Unterschied. Im Westen der Republik beträgt die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern 23, im Osten neun Prozent. Der EU-Durchschnittswert bei der Lohnschere liegt mit 16,1 Prozent deutlich unter dem in Deutschland.

Der »Equal Pay Day« (EPD) soll auf die Misere aufmerksam machen und ins Gedächtnis rufen, dass Frauen in Deutschland noch immer weniger verdienen als Männer. Aus den USA importiert, wo ihn Ende der 80er Jahre die Business and Professional Women erdacht hatten, findet der EPD in der Bundesrepublik seit 2009 alljährlich statt - unterstützt nicht nur von Gewerkschaften, sondern auch von Arbeitgeber-, Sozial- und Frauenverbänden sowie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

In der Vergangenheit sorgte der EPD immer wieder für Verwirrung: Die Berechnung sei falsch und die Datenbasis unklar, monierten viele. 2013 meldete sich die Deutsche Mathematiker Vereinigung zu Wort und wies auf einen Prozentrechenfehler hin. Eigentlich müsse der EPD im April liegen, der Abstand sei also kleiner gerechnet worden, als er tatsächlich ist.

Andere warfen den Organisatoren eine Dramatisierung der Situation vor, da es sich bei den verwendeten Prozentzahlen um den unbereinigten Lohnunterschied handele.

Tatsächlich beziehen sich die 21 Prozent betragende Lohnlücke auf die Bruttostundenlöhne aller berufstätigen Männer und Frauen. Es spiegelt sich in dieser Zahl also auch wider, dass Frauen häufiger schlechter bezahlte Berufe wählen, seltener als Männer in höheren Posten und viel häufiger in Teilzeitmodellen arbeiten. Ungefähr zwei Drittel des Lohnunterschiedes von 21 Prozent lassen sich mit diesen Faktoren erklären und weisen damit auf tieferliegende Ungerechtigkeiten hin. Doch selbst die übrigbleibende »bereinigte« Lohnlücke - verglichen werden hier nur Frauen und Männer mit gleicher Ausbildung, Qualifikation und Tätigkeit - beträgt sieben Prozent.

Lohndiskriminierung aufgrund des Geschlechts ist im konkreten Fall oft schwer nachzuweisen, wie der Fall der leitenden Schreinermeisterin Edeltraud Walla zeigt. Ihr Arbeitgeber, die Uni Stuttgart, zahlte ihrem - geringer qualifizierten - Kollegen wegen einer nicht näher begründeten höheren Eingruppierung 1200 Euro im Monat mehr. Die Universität führte »historische Gründe« an und wies eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts zurück. Doch um diese zu beweisen, nahm Frau Walla einen jahrelangen Rechtsstreit auf sich, der sie mit Unterstützung der Gewerkschaft ver.di bis hin zu einer Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr führte.

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