Google will Roboter loswerden

Dem Internet-Unternehmen geht die Entwicklung bei Boston Dynamics zu langsam

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Google-Mutter Alphabet stellt den Roboterentwickler Boston Dynamics zum Verkauf. Mit Amazon und Toyota sollen zwei Unternehmen Interesse zeigen.

Boston Dynamics ist einer der leistungsfähigsten Roboterentwickler der Welt. Das Unternehmen stellt zwei- und vierbeinige Maschinen her, die menschliche Bewegungsabläufe erstaunlich gut nachahmen können. Doch Alphabet, Mutterkonzern von Boston Dynamics und auch von Google, ist das Entwicklungstempo zu langsam. Vor wenigen Tagen berichtete das Medienunternehmen Bloomberg, dass Alphabet Boston Dynamics verkaufen will, da die Roboter kurzfristig keine Marktreife erlangen werden. Alphabet will weniger in Forschung und Entwicklung investieren und setzt mehr auf Produkte, die sich vermarkten lassen.

Bloomberg bezieht sich auf das Protokoll einer Sitzung von Replicant, einer Alphabet-Abteilung, die in der Roboterentwicklung tätig ist: »Als Jungunternehmen unserer Größe können wir nicht 30 Prozent unserer Ressourcen in Dinge investieren, die noch zehn Jahre brauchen«, soll Ex-Google-Vize Jonathan Rosenberg gesagt haben. »Es gibt ein Zeitfenster, innerhalb dessen wir einen bestimmten Umsatz generieren müssen, um Ausgaben zu decken - und das können nur ein paar Jahre sein.«

Google hat Boston Dynamics 2013 übernommen. Die Firma wollte sich in großem Umfang in der Roboterforschung engagieren und setzte 300 entsprechende Mitarbeiter auf die Gehaltsliste. Seinerzeit war es Teil der Firmenstrategie, hin und wieder ins Blaue hinein zu investieren, so auch bei autonom fahrenden Autos. Aber laut Bloomberg wollten die Ingenieure von Boston Dynamics nicht mit Forschern aus Kalifornien oder Tokio zusammenarbeiten. Aaron Edsinger, der die Roboterforschung von Google von San Francisco aus leitet, soll Boston Dynamics mit einer unbeweglichen Wand verglichen haben. Dessen Gründer Marc Raibert, ehemals Professor am Massachusetts Institute of Technology, bestätigte dies: »Ich denke, die einzige Chance auf Fortschritt ist unsere Arbeit in Boston.«

Alphabet hat Replicant im Dezember bei Google X angesiedelt, wo vielversprechende Forschungsprojekte verfolgt werden. Boston Dynamics war nicht an dieser Entwicklung beteiligt und soll seitdem zum Verkauf stehen. Im Februar reagierte das Unternehmen auf seine Art und stellte Videos bei YouTube ein, auf denen furchterregende Roboter ebenso zu sehen waren wie solche, die Menschen unterlegen waren. Die Sprecherin von Google X, Courtney Hohne, sah sich genötigt, öffentlich Stellung zu beziehen: Die Videos selbst wolle sie nicht kommentieren, »weil wir dazu nichts sagen können«. Stattdessen stellte sie die Zugehörigkeit von Boston Dynamics zum Konzern in Frage.

Einen Verkaufspreis nennt Bloomberg nicht. Interesse soll jedoch auf Seiten des Toyota Research Institute und bei Amazon bestehen. Von beiden gab es dazu keine Stellungnahme. Amazon arbeitet bereits am Einsatz von Robotern in der Warenzustellung und der Lagerarbeit. Sein Drohnenprogramm kann Amazon vorerst nicht fortführen, da der Staat entsprechende Flüge im US-Luftraum untersagt hat. Doch auf den unternehmenseigenen Grundstücken könnten Roboter Arbeiten ausführen.

Toyota hat 2015 eine Milliarde Dollar (890 Millionen Euro) im Silicon Valley und in Massachusetts in die Roboterforschung investiert. Das Programm wird von Gill Pratt geleitet, der früher bei der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) des Militärs Hochtechnologieforschung betrieb. Dabei hatte er sich auf Anwendungen für das Internet und Lasergeräte konzentriert.

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