Alice im Todestal

Der Fluss Artibonite in Haiti ist mit Choleraerregern verseucht - für viele ist er die einzige Trinkwasserquelle

  • Von Andreas Boueke, Anse-à-Pitres
  • Lesedauer: ca. 8.0 Min.

In Haiti grassiert die schlimmste Choleraepidemie seit Jahrzehnten weltweit. Armut, Trockenheit und der Mangel an sauberem Trinkwasser sind die Ursache.

Vier junge Männer hocken im Schatten einer schwarzen Plastikplane und starren auf ein Brett auf dem Boden. Sie spielen Domino im Staub eines Hügels oberhalb von Anse-à-Pitres, einem verarmten 20 000-Seelen-Ort an der Südküste Haitis. Keiner von ihnen hat Arbeit. In der Gegend gibt es niemanden, der sie einstellen könnte.

Ein Mädchen kommt vorbei. Die Männer schauen zu ihr hinüber. Einer kommentiert ihre hübschen Beine. Die 16-jährige Alice ist auf dem Weg zum Wasserholen. Sie grüßt die Jungen auf Kreol, der Sprache der meisten Haitianer. «Mein Großvater konnte sich noch an die Zeit erinnern, als es hier Quellen, Wälder und Äcker gab», erzählt Alice. «Heute gibt es keine Bäume mehr, das Wasser ist versiegt und der fruchtbare Boden weggespült.»

Ein paar Büsche und stachelige Kakteen widersetzen sich den widrigen Umständen der staubigen Landschaft. Alice läuft über ausgetretene Pfade bis zu einer Stelle, an der Wasser aus einem ...


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