Kooperativen sind machbar

MEINE SICHT

»Viele Köche verbessern den Brei«, heißt es auf der Internetpräsenz der Berliner »Kollektiv-Betriebe«. In zehn Schritten wird dort humorvoll der Weg zum »kollektiven Olymp« erläutert. Neben dem Hinweis »Ohne Chef_in dauert's länger« findet sich unter anderem auch der Vorschlag »Feiert«. Kleine und große Erfolge sollen entsprechend gewürdigt und gebührend von den Kollektiv-Mitgliedern gefeiert werden.

Was das angeht, haben die selbstverwalteten Betriebe in Berlin im Prinzip allen Grund, die Korken knallen zu lassen: Schließlich gibt es in der Hauptstadt so viele alternative Betriebe wie sonst in keiner anderen Stadt der Republik. Und auch wenn es in den 1970er Jahren einmal mehr waren, stieg die Zahl selbstverwalteter Betriebe zuletzt wieder an. Angesichts des ökonomischen Drucks und immer mehr prekarisierter Arbeitsverhältnisse gibt es verstärkt das Bedürfnis, sich gleichberechtigt und gemeinsam zu organisieren - auch in ökonomischer Hinsicht.

In Berlin gibt es sogar eine »AGBeratung«, die die angehenden Zusammenschlüsse unter ihre Fittiche nimmt. Früher hießen die Berater mal »RGW« in Anlehnung an den »Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe« der sozialistischen Staaten. Das 25-jährige Beraterwissen in Sachen Kollektive wurde inzwischen von jüngeren Leuten übernommen. Mit kreativen Aktionen wie dem »Supertrumpf-Kollektiv-Spiel« oder Kongressen zu solidarischen Ökonomien wird für Aufmerksamkeit gesorgt.

In den vergangenen Jahren gab es auch mehrfach Fahrradtouren zu den Kollektiven. Das Spektrum der zu besichtigenden Betriebe ist groß: Neben Druckereien, Transportbetrieben und Werkstätten gibt es Medienkombinate, Kneipen und Clubs, die kollektiv organisiert sind. Sie alle zeigen, dass Kooperativen machbar sind. Es gibt sogar Beispiele, die wie der Club »about blank« als stadtweite Erfolgsgeschichte gelten. Wichtig ist, sich zu trauen. Scheitern als Chance zu begreifen. Oder wie die AGBeratung sagt: »Ein Meter Praxis ist besser als hundert Meter Theorie.«

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