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Land beteiligt sich an Modularbau

Neue Gesellschaft soll zusammen mit »berlinovo« Flüchtlingsunterkünfte errichten

Einst war die »berlinovo« eine reine Bad Bank für die Fonds des Berliner Bankenskandals. Gemeinsam mit dem Land soll das Wohnungsunternehmen jetzt modulare Flüchtlingsunterkünfte bauen.

Das Land Berlin beteiligt sich mit der »Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH« (berlinovo) an einer neuen Gesellschaft, die für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften in modularer Bauweise, den sogenannten MUFs (siehe Kasten), zuständig sein soll. Der Name der neuen Gesellschaft soll »Berliner Gesellschaft zur Errichtung von Flüchtlingsunterkünften« (BEFU) sein. Sitz des Unternehmens wird wohl die Zentrale der berlinovo sein, aus deren Mitarbeitern auch die Geschäftsführung rekrutiert werden soll.

»Als Immobiliendienstleister verfügt die berlinovo über umfassende Projekterfahrung«, erklärte Finanzsenator Mattias Kollatz-Ahnen (SPD) am Dienstag in der Senatspressekonferenz im Roten Rathaus. So nehme das Unternehmen etwa die zentrale Aufgabe wahr, den Bereich des studentischen Wohnens in Berlin zu organisieren. Hinzu komme künftig die Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften. »Die neue Landesgesellschaft gewährleistet, dass die unterschiedlichen Aufgaben parallel und uneingeschränkt umgesetzt werden können«, sagte Kollatz-Ahnen.

Ganz neu ist das Engagement der einst als reine Abwicklungsgesellschaft konstruierten berlinovo indes nicht. Einige Immobilien aus den früher als »Schrottimmobilien« bewerten Portfolio des Unternehmens wurden bundesweit an Kommunen zur Flüchtlingsunterbringung vermietet. Dass ein Unternehmen, das ursprünglich nur die alten Fonds abwickeln sollte, die einst den Bankenskandal auslösten, jetzt als neue Wohnungsgesellschaft quasi wie Phönix aus der Asche steigt, ist allerdings fragwürdig. Dient die alte Risikoabschirmung des Landes etwa dazu, der berlinovo ein neues Renommee zu verleihen?

»Es darf keine Verbindung alter und neuer Geschäfte geben, solange da noch Risiken dranhängen«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Steffen Zillich. Formal müssen alte und neue Geschäftsfelder strikt getrennt werden. Wenn man aber wie jetzt der Senat auf die Liquidität der berlinovo zurückgreift, müsste auch die sogenannte Neuordnungsvereinbarung, mit der die neuen Geschäfte geregelt werden, neu gefasst werden, meint Zillich. Der Umgang des Landes Berlin mit seinen Altlasten war in der Vergangenheit auch schon häufiger im Blick des Landesrechnungshofs.

Bei der neuen Gesellschaft kommen zudem auch die europäische Ebene und genehmigte Beihilfen ins Spiel. »Diese neue Gesellschaft ist dafür da, dass die Dienstleistung im Zusammenhang mit der Schaffung neuer Flüchtlingsunterkünfte erbracht werden kann, ohne dass Geld aus diesem Kreislauf rauszuschaffen«, sagt der Finanzsenator. Die »Bad Bank« bleibe die »Bad Bank«. Entscheidend dürfte am Ende sein, wie werthaltig die neuen Unterkünfte tatsächlich sind und ob sie helfen, den Wohnungsmangel zu lösen. Ob bei der langfristigen Nutzung die BEFU eine Rolle spielt, ist unwahrscheinlich. Denn wenn keine neuen Flüchtlinge kommen, soll die Neugründung bald wieder abgewickelt werden.

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