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Zauberkünstler bestreitet Kinderpornovorwürfe

Statt auf der Showbühne steht der Deutsche Jan Rouven wegen des Besitzes von Sexfilmen mit Kindern in Las Vegas vor Gericht

  • Von Barbara Munker, Las Vegas
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Zaubershow ist abgesagt. Die neue Bühne für Jan Rouven ist ein Gerichtssaal in Las Vegas. Der deutsche Magier beteuert: Ein anderer habe Kinderpornos auf seine Computer geladen.

Die Auftritte von Jan Rouven sind spektakulär: Der deutsche Magier ist für monumentale Illusionen, blitzschnelle Zaubereien und gefährliche Entfesselungstricks berühmt. Hand- und Fußschellen trug der gebürtige Nordrhein-Westfale auch am Mittwoch in Las Vegas, doch es war kein Auftritt vor klatschendem Publikum. In Häftlingskleidung stand der 38-Jährige vor dem Richter und beteuerte seine Unschuld. In einer Anklage wegen Besitzes von Kinderpornografie habe sein Mandant in allen vier Punkten auf »nicht schuldig« plädiert, sagte Rouvens Anwalt Jess Marchese.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Rouven soll Kinderpornografie empfangen, besessen, verbreitet und beworben haben, lautet die Anklage. Ermittler des FBI hätten auf Laptops, Festplatten und anderen Geräten in der Villa Rouvens in Las Vegas rund 3500 Videos und Fotos entdeckt, die Sex mit Minderjährigen, auch mit Kindern, zeigen. Im Falle eines Schuldspruchs droht eine jahrzehntelange Haftstrafe. »Jan ist unschuldig, jemand anderes hat das getan«, sagt Marchese. Der Deutsche sei sehr gastfreundlich und habe stets Besucher im Haus gehabt, die Zugang zu den Geräten hatten. Der Prozess gegen Rouven soll am 6. Juni beginnen.

Seit Mitte März sitzt Rouven hinter Gittern. Die Richterin schlug eine Freilassung gegen Kaution aus. Er könne sich nach Deutschland absetzen, war ein Grund. Marchese hat Einspruch eingelegt. Bei einer Anhörung am 19. April will er Rouvens Freilassung erkämpfen.

Glaubt man dem Anwalt, so geht es Rouven in der U-Haft den Umständen entsprechend »gut«. Natürlich sei er »sehr bestürzt«, dass seine Show eingestellt wurde und damit seine Angestellten ihre Jobs verloren.

Das Tropicana-Casino am Strip, wo Rouven seit Herbst 2014 seine Show »The New Illusions« aufführte, hatte umgehend reagiert. Die schweren Vorwürfe seien »äußerst beunruhigend«, teilte Manager Philippe Khouri mit. »Wir haben sofort Schritte unternommen, alle Geschäftsverbindungen zu ihm und zu seiner Produktionsfirma abzubrechen.«

In der Branche hieß Rouven »Der Mann mit den sieben Leben«. Er ließ sich von riesigen Bohrern aufspießen, gefesselt in einen Wassertank einschließen, von brennenden Kreissägen umgeben. Er ist der erste deutsche Zauberkünstler nach Siegfried & Roy, der es auf den berühmten Strip von Las Vegas schaffte.

»Seine Karriere in Las Vegas ist vorbei, selbst wenn er freigesprochen wird«, meint Reporter Mike Weatherford, der seit mehr als 25 Jahren für das »Las Vegas Review Journal« die Szene beobachtet. Rouvens Absturz sei ein »Schock« gewesen. Er sei aber kein zweiter »Siegfried & Roy« oder so berühmt wie David Copperfield und Criss Angel. »Man wird ihn schnell vergessen«, mutmaßt Weatherford.

Im Brühler Phantasialand hatte Rouven als kleiner Junge seine Liebe zur Zauberei entdeckt. Später tourte er mit einer eigenen Show durch Europas größte Freizeitparks. Seine Monumentaltricks brachten ihm Preise und Ruhm. 2009 wurde er erstmals für einen Auftritt in Las Vegas gebucht. 2011 erfüllte sich sein Traum vom festen Engagement in der Casino-Stadt. 2014 kürte ihn die weltgrößte Zaubervereinigung IMS zum »Illusionisten des Jahres«. dpa/nd

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