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Euphorisch in der Drittklassigkeit

Folge 92 der nd-Serie »Ostkurve«: Aufsteiger Magdeburg ist angekommen, Dresden geht

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

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Altes Duell, positive Zukunft: 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden. Der FCM ist dabei, sich in der 3. Liga zu etablieren, die SG verabschiedet sich nach oben. Beide geben Anlass zur Hoffnung.

Wenn zwei sich treffen, denen es richtig gut geht, dann kann es doch eigentlich nur ein schöner Nachmittag werden. An diesem Sonnabend empfängt der 1. FC Magdeburg die SG Dynamo Dresden - 2016 ist es wieder ein Duell zweier erfolgreicher Fußballvereine. »Die Euphorie ist ungebrochen«, sagt Mario Kallnik. Dabei schüttelt der Geschäftsführer des FCM ungläubig den Kopf. Er kann es selbst kaum glauben: Seit fast einem Jahr wird der Klub von einer Welle der Begeisterung getragen, seit den Relegationsspielen gegen Offenbach, seit dem Aufstieg in die 3. Liga.

Von dort, wo Magdeburg so erfolgreich angekommen ist, will Dresden schnellstmöglich verschwinden. Am liebsten gleich am Sonnabend. Bei einem Remis ist Dynamo der Aufstieg in die 2. Bundesliga nicht mehr zu nehmen. In Sachsen ist die Euphorie deshalb noch etwas größer. Zum 63. Vereinsgeburtstag am 12. April vermeldete die Sportgemeinschaft einen neuen Mitgliederrekord: 17 159. Das Spiel in Magdeburg werden mindestens 10 000 Fans gemeinsam im heimischen Dynamo-Stadion verfolgen. 2000 Dresdner werden live dabei sein. Getrübt wird die Vorfreude durch die Bedenken der Polizei: Mehr als Tausend Beamte werden eingesetzt, Wasserwerfer stehen bereit. Dass manchmal weniger Provokation durch geringere Präsenz zu mehr Ruhe und Sicherheit führt, soll für dieses Risikospiel nicht gelten.

Die Suche nach der Rivalität führt in die gemeinsame, erfolgreiche Vergangenheit beider Klubs. Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg gehörten zu dem Besten, was der DDR-Fußball zu bieten hatte. Nach der Wende gab es nur noch selten Berührungspunkte: zehn Spiele in der Regionalliga, zwei in der Oberliga. Das lag vor allem am FCM, der erst mit dem Aufstieg im vergangenen Sommer im Profifußball angekommen war. Das Wiedersehen jetzt, in der Drittklassigkeit, ist auch nur von kurzer Dauer. Aber eines, das einen optimistischen Blick in die Zukunft erlaubt. Beide Vereine sind schuldenfrei. Und die Unterstützung ist enorm: In der Zuschauertabelle der 3. Liga stehen Dresden mit einem Schnitt von mehr als 27 000 und Magdeburg mit fast 18 000 ganz vorn.

Für Mario Kallnik ist genau das ein ganz entscheidender Faktor. Unterhalb der ersten Liga und gerade im Osten, wo die Wirtschaftskraft für Sportsponsoring nur selten reicht, sind die Zuschauer nicht nur für die Stimmung im Stadion und die Motivation der Mannschaft wichtig. »Unsere Fans sind ein enorm großes Pfund«, sagt der FCM-Geschäftsführer: »Die Zuschauerzahlen haben die finanzielle Situation des Vereins erheblich verbessert.« Nicht nur der Aufstieg, auch die sportliche Entwicklung in dieser Saison hat dazu beigetragen, dass das Interesse am 1. FC Magdeburg so groß wie lange nicht mehr ist. Mit einem Sieg gegen Dresden bestünde immer noch die theoretische Möglichkeit, Dritter zu werden und somit die nächsten Relegationsspiele zu bestreiten.

Diese unerwartete Chance käme Kallnik nicht ungelegen. Denn er weiß: »In der 3. Liga ist es nicht mehr möglich, wie noch in der Regionalliga einen Aufstieg wirklich zu planen.« Einen Plan hat der 1. FC Magdeburg natürlich trotzdem. Und der klingt ganz simpel: Nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Die Probleme einiger Ligakonkurrenten nennt Kallnik deshalb auch »hausgemacht«. Der Traum vom schnellen Erfolg vernebelt schon mal den Blick auf die wirtschaftliche Sorgfalt. »Die Personalkosten sind die extremsten. Im Wettbewerb um Spieler kann man sich sehr schnell finanziell übernehmen«, sagt Kallnik.

Die Voraussetzungen, um sich überhaupt erst mal in der 3. Liga zu etablieren, sind in Magdeburg besser als an vielen anderen Standorten. Infrastruktur mit Stadion und Trainingsbedingungen, die lange Tradition, der große Name - »das hat uns bislang sehr geholfen«, erzählt Kallnik. Jetzt gilt es, die Gunst der Stunde, die Euphorie zu nutzen. »Wir müssen es schaffen, uns in der jetzigen Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs sportlich weiterzuentwickeln.«

Die Professionalisierung der Vereinsstrukturen läuft ebenfalls. Mario Kallnik, der bis 2008 als Spieler das FCM-Trikot trug und vier Jahre später als Manager zurückkehrte, ist seit Anfang 2016 hauptamtlicher Geschäftsführer der 1. FC Magdeburg Stadion- und Sport-Marketing GmbH. Die unter den Fans durchaus umstrittene Ausgliederung der Profiabteilung ist sein nächstes Ziel. »Stillstand werde ich nicht dulden«, sagt er.

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