Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Das Drehen an der Gebührenschraube

Gebühren bei Banken und Sparkassen

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
Früher genügte es, den Preisaushang in der Schalterhalle von Banken und Sparkassen nach den gängigen Zinssätzen durchzusehen. Doch die Minuszinspolitik hat die Bankenlandschaft verändert.

Kundeneinlagen wurden zur teuren Last, Kredite werden zu wenig nachgefragt, um die Gewinnhoffnungen zu erfüllen. Fast alle Geldhäuser drehen an der Gebührenschraube. Daher sollten Verbraucher noch genauer hinschauen.

Neue Gebühren treffen auch alte Konten. So hat die Erzgebirgs-Sparkasse die »Bepreisung« und die Ausstattungsmerkmale ihrer Privatgirokonten geändert - auch für Bestandskunden. Sie erhöhte etwa die bisherige Kontoführungsgebühr von 6,95 Euro auf monatlich 8,00 Euro. Die Zustimmung zu dieser Preisänderung gilt als erteilt, wenn der Kontoinhaber nicht innerhalb einer bestimmten Frist widerspricht. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Sachsen verstößt das jedoch gegen eine Reihe von verbraucherschützenden Vorschriften.

In der Finanzbranche spricht man dagegen von Notwehr. »Durch die volkswirtschaftlich falsche Zinspolitik der Europäischen Zentralbank stehen wir vor unternehmerisch sehr herausfordernden Jahren«, sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, anlässlich der Vorstellung der Geschäftszahlen der Sparkassen-Finanzgruppe in Frankfurt am Main. So sank 2015 der Zinsüberschuss der bundesweit 409 Sparkassen deutlich.

»Arbeiten« an Ertragslage

Die Institute müssten deshalb weiter an der Ertragslage arbeiten. Zu einer unternehmerischen Antwort gehören für den früheren CSU-Politiker Fahrenschon neben deutlichen Kosteneinsparungen beim Personal auch eine »verursachungsgerechtere Bepreisung von Leistungen«. Gemeint sind neue Gebühren sowie Gebührenerhöhungen für alle Dienstleistungen der Sparkassen.

Konten- oder Kartengebühren werden bei zahlreichen Geldinstituten angehoben. Vor allem Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen sind von steigenden Gebühren für die Kontoführung betroffen, erwartet die Finanzberatung FMH. Die Geldinstitute würden Kontoumstellungen mit zusätzlichen Leistungen vornehmen und zugleich die Gebühren erhöhen.

Auch die Postbank greift zu

Zum 1. April 2016 stellte beispielsweise die Sparkasse Leipzig ihre Girokonten um. Ein Konto mit dem Namen »Giro Klassik« zum Monatspreis von 1,90 Euro sehe auf dem Papier günstig aus, werde in der Praxis aber erheblich teurer, bemängelt die Verbraucherzentrale Sachsen. Der Grund: Jede Buchung koste künftig extra. Selbst Kunden, die Onlinebanking nutzten, müssten nun für Kontoauszüge am Bankautomaten zahlen.

Ins Gerede gekommen ist auch die genossenschaftliche Sparda-Bank West. Die Essener Bank führt eine Gebühr für die Bankkarte ein - bis dahin war das Girokonto unentgeltlich.

Auch die Postbank wird kostspielig. Mit nach Firmenangaben,14 Millionen Kunden ist die (Noch-)Tochtergesellschaft der Deutschen Bank der größte Akteur im sogenannten Massengeschäft der Finanzbranche. Aber sie hat wie viele Konkurrenten deutlich mehr Kundeneinlagen als sie in Form von Krediten ausleihen kann. Den Überschuss muss sie am Geldmarkt zu den derzeit sehr niedrigen Zinsen anlegen.

Für die Kunden der Billigbank wird das Konto bald teurer. »Wir müssen uns in diesem Jahr ansehen, welche Dienstleistungen wir noch kostenlos anbieten können«, so der Vorstandsvorsitzende Frank Strauß auf der Jahrespressekonferenz. Vor einem Jahr hatte die Postbank mit einer Gebühr von 99 Cent für Überweisungen auf Papier schon Aufsehen erregt. Selbst Strafzinsen für hohe Einlagen seien nun kein Tabu.

Nicht nur Girokonten teurer

Die Zeit kostenloser Konten geht zu Ende. Doch auch bei allen anderen Produkten wird an der Gebührenschraube gedreht: so beim Kauf von Wertpapieren, bei der Eröffnung eines Depots oder beim Abschluss eines Ratenkreditvertrages.

Für Verbraucher bedeutet dies: Noch genauer hinsehen!

Dies gilt vor allem für jungen Menschen, die ihr erstes Girokonto eröffnen. Doch auch wer umzieht, sollte in der neuen Umgebung nach günstigen Angeboten Ausschau halten.

Bestandskunden können sich möglicherweise gegen Preiserhöhungen wehren. So hält die Verbraucherzentrale Sachsen die Kontenänderungen der Erzgebirgs-Sparkasse für fehlerhaft. Die Widerspruchsfrist sei unzulässig verkürzt worden, und es fehle der Hinweis auf eine kostenlose Kündigungsmöglichkeit.

Verbraucher, die Fragen zur Rechtmäßigkeit einer Erhöhung von Entgelten haben, können sich an ihre nächstgelegen Verbraucherzentrale wenden. Ein Zurück zu den alten, günstigen Konditionen dürfte aber kaum gelingen.

Preisvergleich bester Schutz

Der beste Schutz für Bankkunden bleibt daher der Preisvergleich - wo er noch möglich ist. Denn immer mehr Filialen von Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken werden geschlossen. Die privaten Großbanken haben sich längst aus der Fläche zurückgezogen. So bleibt oft nur ein Blick ins Internet: Onlinebanking ist bei den meisten Geldinstituten (noch) günstiger als das klassische Geldgeschäft.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln