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Ad-hoc-Kontrollen nach Weinskandal

Sachsens Weingüter sollen künftig auch ohne Anmeldung inspiziert werden

Der Fund von Insektengift in sächsischem Wein hat den Ruf der Winzer beschädigt. Darin sind sich alle einig. Die Regierung in Dresden wird nun aufgefordert, dem Verbraucher reinen Wein einzuschenken.

Dresden. Kontrolle statt Vertrauen: Sachsen will als Konsequenz aus dem Weinskandal alle Betriebe in Sachsen auch unangemeldet kontrollieren. Bis Mitte Mai würden alle Weingüter im Freistaat beprobt, erklärte der CDU-Abgeordnete Sebastian Fischer. Der 34-Jährige übt das seltene Amt eines »weinpolitischen Sprechers« bei der Union aus. Es gehe nun darum, Vertrauen in den sächsischen Wein zurückzugewinnen. Fischer bezweifelte, dass es überhaupt einen Weinskandal gibt. »99 Prozent der sächsischen Winzer arbeiten ehrlich und sauber.«

In Sachsen sind bisher bei drei Erzeugern Spuren der Chemikalie Dimethoat im Wein gefunden worden. Das Insektengift ist im Weinbau verboten, wird beispielsweise aber beim Anbau von Spargel und Rosenkohl verwendet. Betroffen ist auch die Winzergenossenschaft Meißen. »Erklärbar sind die festgestellten Kontaminationen nur durch Lieferungen und die anschließende Verarbeitung von belasteten Trauben eines oder mehrerer Genossenschaftsmitglieder. Die Ermittlungen hierzu dauern weiterhin noch an«, sagte Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) in der Landtagsdebatte.

Laut Klepsch wurde damit der hervorragende Ruf aller sächsischen Winzer gefährdet. Die Ministerin listete unter anderem den zeitlichen Ablauf zwischen der ersten Kontrolle am 10. September und dem 28. Oktober 2015 auf, als die Lebensmittelüberwachung Meißen die betroffene Weinkellerei darüber informierte, dass Weine aus den belasteten Trauben nicht in den Verkehr gelangen dürfen. Ab Februar habe man die Kontrollen auf das gesamte sächsische Weinbaugebiet ausgedehnt: »Die Behörden haben ordnungsgemäß gehandelt. Und eine Verzögerung kann ich hier nicht erkennen.«

Die LINKEN gaben der Regierung zumindest eine Teilschuld an dem Geschehen. Es sei offensichtlich, dass in den vergangenen Jahren zu wenig und zu unsystematisch kontrolliert wurde, sagte die Abgeordnete Jana Pinka. Ein Kleine Anfrage im Parlament habe ergeben, dass in den vergangenen 15 Jahren lediglich 34 Weine sächsischer Hersteller auf Pestizidrückstände untersucht wurden. Der Vorwurf der LINKEN im konkreten Fall: Wenn die Behörden schneller reagiert hätten, wäre es gar nicht erst zur Kelterung gekommen. Doch so die Weinflaschen hätten schon in den Regalen gestanden, als es zum Stopp kam. »Schenken sie uns, den betroffenen Weinbauern und der Öffentlichkeit reinen Wein ein«, forderte Pinka die Regierung auf. LINKE-Fraktionschef Rico Gebhardt sprach gar von einem Behördenversagen. Ministerin Klepsch warf ihm daraufhin eine »Regierungsschelte auf Kosten des sächsischen Weines« vor. Ein Antrag der LINKEN, für betroffene Winzer ein Soforthilfenprogramm aufzulegen, lehnte die Mehrheit des Landtages mit Verweis auf bereits bestehende Hilfsmöglichkeiten ab. dpa/nd

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