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Österreichs Bundespräsident: grün oder rechtspopulistisch

Favoriten hängen laut Umfragen vor der Wahl am Sonntag Kandidaten der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP ab

  • Von Manfred Maurer, Wien
  • Lesedauer: 2 Min.
In Österreich findet am Sonntag ein historischer Urnengang statt. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg könnten die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP nicht mehr den Bundespräsidenten stellen.

Zwei Kandidaten, die in früheren Zeiten das Rennen unter sich ausgemacht hätten, stehen vor dem Scheiter. Das ungeschriebene Gesetz, demzufolge seit dem Zweiten Weltkrieg entweder ein Roter oder ein Schwarzer in Österreich Bundespräsident wird, dürfte an diesem Sonntag auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn der SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer und der ÖVP-Bewerber Andreas Khol den Einzug in die Stichwahl schaffen würden. Denn in allen Umfragen seit Beginn des Wahlkampfes liegen beide abgeschlagen auf Platz vier beziehungsweise fünf. Der rote Kandidat steht mit einer Prognose von etwa 15 Prozent noch etwas besser da als sein bei etwa elf Prozent dümpelnder Leidensgenosse von der ÖVP.

Die Migrationskrise war das dominierende Thema des Wahlkampfes, obwohl der Bundespräsident in der operativen Tagespolitik kaum eine Rolle spielt. Das trug zum Aufstieg des anfangs wenig bekannten FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, der sich als Rechtspopulist mit menschlichem Antlitz präsentiert. Er gibt den freundlichen FPÖler, dem kein radikales Wort über die Lippen kommt, der aber seine knallharten Positionen gern auch mit dem öffentlichen Eingeständnis unterstreicht, gelegentlich seine Glock-Pistole dabei zu haben. Da die Regierung in der Flüchtlingskrise längst auf FPÖ-Kurs eingeschwenkt ist, konnte Hofer mit dem Hinweis auf das Urheberrecht für diese Politik punkten.

In den Umfragen hat er sich mit 24 bis 25 Prozent schon dicht an die Fersen des Favoriten geheftet: Alexander van der Bellen, der ehemalige Grünen-Chef, hat die besten Chancen, am Sonntag als Erster durchs Ziel zu gehen. Der 72-Jährige präsentiert sich als Unabhängiger, der freilich voll auf die Ressourcen des grünen Parteiapparates zurückgreifen kann. Sein Erfolgsrezept: Wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist er kein typischer Grüner, sondern spricht auch bürgerliche Wähler an. Linke Grüne haben mit dem emeritierten Volkswirtschaftsprofessor, der fast schon wie die FPÖ den Begriff »Heimat« plakatierte, größere Probleme als mancher Christ- oder Sozialdemokrat.

Da keiner der sechs Bewerber im ersten Anlauf eine absolute Mehrheit schaffen wird, fällt die Entscheidung in der Stichwahl am 22. Mai. Im Rennen mischt eine Frau mit, für die zum Ärger der Schwarzen sogar der ehemalige ÖVP-Chef Erhard Busek wirbt: Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes, spricht das gemäßigte Protestwählerpotenzial an, das die Nase voll hat von der großen Koalition In den Umfragen liegt die unabhängige Kandidatin mit etwa 20 Prozent auf Platz drei.

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