Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Gert Schramm ist tot

Überlebender des KZ Buchenwald im Alter von 87 Jahren gestorben

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Kommunisten haben mein Leben gerettet.« Wer solch einen Satz ausspricht, muss sich normalerweise warm anziehen in einem Land, in dem die Kommunistenhatz seit jeher zum beliebten Volkssport zählt – selbst in Zeiten wie diesen, in denen sich der globale Kapitalismus mit vielen Gefahren konfrontiert sieht, von denen der Kommunismus zu den geringsten zählen dürfte.

Dass diese Worte jedoch aus der Feder eines Mannes stammen, der zu den Überlebenden des KZ Buchenwald gehört, verhinderten bei ihrer Veröffentlichung vor fünf Jahren inmitten einer ebenso aufgeregten wie bizarren Kommunismus-Debatte einen Shitstorm. Denn aufgeschrieben hat sie Gert Schramm in seiner 2011 erschienenen Autobiografie »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. Mein Leben in Deutschland«. Darin schildert der Sohn eines afroamerikanischen Ingenieurs aus den USA und einer Deutschen seinen Leidensweg in Buchenwald, wo kommunistische Mithäftlinge ihm zu überleben halfen – und seinen weiteren Lebensweg bis zur Bundesrepublik des 21. Jahrunderts.

1928 kam Schramm in Erfurt zur Welt. Als er fünf Jahre alt war, gelangten die Nazis an die Macht. Den Volksschulabschluss konnte Schramm noch ablegen. Danach wurde ihm die ersehnte Lehrerausbildung verweigert, weil er als »Mischling zweiten Grades« unter die »Nürnberger Rassengesetze« fiel. 1941 wurde sein Vater ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Gert Schramm geriet 1944 im Alter von 16 Jahren in sogenannte »Schutzhaft« im KZ Buchenwald. Dort überlebte er eines der berüchtigten Arbeitskommandos im Steinbruch, das der Nazi-Mordstrategie »Tod durch Arbeit« diente.

Nach dem Ende des Nazi-Terrors verließ er das Land der Täter nicht, sondern kehrte zu seiner Mutter nach Bad Langensalza zurück. Er arbeitete im Thüringer Uranbergbau, bevor er Mitte der 50er Jahre für acht Jahre zur »Zeche Vereinigte Hagenbeck« nach Essen wechselte. 1964 kehrte er frewillig in die DDR zurück, wurde KfZ-Meister und arbeitete beim »VEB Kraftverkehr Eberswalde«. 1985 gründete er ein Taxiunternehmen in Eberswalde.

Dort lebte er mit seiner Familie bereits seit 1977. Viele Jahre lang engagierte sich Schramm intensiv für die Aufklärungsarbeit gegen Rechtsradikalismus. Für diese Arbeit wurde er 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In seiner Dankesrede erneuerte er den Schwur von Buchenwald, bei dem am 19. April 1945 insgesamt 21.000 Häftlinge des befreiten KZ gelobten, für die »Vernichtung des Nazismus« einzustehen: »Bis zu meinem Lebensende werde ich diesem Schwur folgen«, versicherte er und fügte hinzu: »Ich widme meine Aufklärungsarbeit der Jugend unseres Landes. Denn sie ist der Garant der Zukunft.« Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Gert Schramm bereits am Montag, den 18. April, im Alter von 87 Jahren.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln