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Das E in der Automobilzukunft

Bundesregierung will deutsche Konzerne und Kunden zum Elektrofahrzeug bringen

Jetzt wird es ernst mit der staatlichen Kaufprämie für Elektroautos. Die Regierung befürchtet, dass die deutsche Autoindustrie den Anschluss an eine Technologie verpasst, die wichtig werden könnte.

Rund 700 Millionen Euro will Porsche am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen in sein Projekt »Mission E« investieren. Mehr als 1000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Mit dem Elektroauto, das bislang den Codenamen »J1« trägt, möchte Porsche-Chef Oliver Blume ein »neues Kapitel in der Sportwagengeschichte« aufschlagen. Außer dem neuen Antrieb ist freilich alles wie gehabt: Unter der Motorhaube aus Aluminium, Stahl und kohlefaserverstärktem Kunststoff warten 600 PS darauf, das Gefährt in nur zwölf Sekunden von 0 auf 200(!) Stundenkilometer zu beschleunigen. Matrix-LED-Scheinwerfer, sich gegenläufig öffnende Türen und das Ersetzen der Außenspiegel durch Kameras, die Bilder auf einen Display im Wageninneren transportieren, sollen Modernität heischen.

Aus Sicht der Bundesregierung hat der »J1« nur einen Schönheitsfehler: Er soll erst Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen, kann daher nicht dazu beitragen, das staatliche Ziel zu erfüllen, dass 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen vor sich hin flüstern. Hier sind andere Hersteller schon weiter: Etwa 30 E-Modelle bieten die Hersteller derzeit serienmäßig an, wie aus Angaben des Verbands der Automobilindustrie hervorgeht. Die meisten sind freilich Hybridautos, die zusätzlich zum Stromantrieb auch einen Verbrennungsmotor haben. Das machen auch Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts deutlich: Rund 25 500 reine E-Fahrzeuge und 130 000 Autos mit Hybrid-Motoren sind zugelassen. Bei einer Gesamt-Pkw-Flotte von 45,1 Millionen lag der Elektroanteil 2015 bei unter 0,5 Prozent.

Gerade die deutschen Hersteller tun sich hier bislang nicht hervor. Reine Elektroversionen hat bisher nur BMW im Programm. Erst in den kommenden Jahren wollen Opel, Audi, Daimler, VW und eben auch Porsche folgen. Die Bundesregierung macht sich Sorgen, dass die deutschen Konzerne nicht mithalten können, wenn eines Tages tatsächlich der Stromantrieb die Verbrennungsmotoren zu ersetzen beginnt. Das hier und da in Gang kommende Geschäft mit den Elektroautos machen bisher andere: Renault und PSA aus Frankreich, Nissan und Mitsubishi aus Japan sowie BYD (China) und Tesla (USA). Und die Lithium-Ionen-Batterien, deren Technik in den letzten Jahren rasant weiter entwickelt wurde, kommen meist aus Asien.

Große Automärkte wie China, Japan, die USA, Großbritannien und Frankreich kurbeln längst mit staatlicher Förderung den Verkauf an. Ganz vorne liegt Dänemark, wo bis zu 17 500 Euro aus Steuermitteln für Käufer eines E-Autos winken. Auch die deutsche Regierung denkt seit geraumer Zeit über Kaufanreize nach - und zwar nur für Autos deutscher Hersteller. Am Dienstagabend sollten die Details bei einem »Autogipfel« im Kanzleramt festgezurrt werden, zu dem Angela Merkel Vorstandschefs und das halbe Kabinett geladen hatte. Im Gespräch waren zuletzt 4000 bis 5000 Euro Förderung für reine E-Autos und 3000 Euro für Hybride. Vor allem auf Druck von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll sich die Autoindustrie wenigstens zur Hälfte an den möglichen Förderkosten von rund 1,2 Milliarden Euro beteiligen, was die Konzerne bisher ablehnten. Der Bund will zusätzlich rund 300 Millionen Euro für den Ausbau des Ladenetzes ausgeben.

Die Grünen und die Umweltverbände lehnen die Pläne ab - sie möchten Besitzer von Spritschluckern zur Finanzierung der Prämie mit zur Kasse bitten. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, ist skeptisch, ob der Kaufzuschuss etwas bringt: Gegen das E-Auto sprächen vor allem die geringe Reichweite, zu wenig öffentliche Ladestellen und verbraucherunfreundliche Tarifsysteme für das Aufladen an Ladesäulen fremder Anbieter.

Ein Problem auch für Porsches »Mission E«: Der Sportwagen soll in nur 15 Minuten zu etwa 80 Prozent über einen 800 Volt-Anschluss an 150-Kilowatt-Ladesäulen geladen werden. Eine solche Infrastruktur gibt es in Deutschland bislang aber nicht.

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