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Vorwärts in die Vergangenheit

Roland Etzel zur türkischen Idee einer islamischen Verfassung

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Die Abkehr des türkischen Staates vom Kemalismus erfolgt langsam, aber kontinuierlich, und sie ist Werk und Ziel vor allem eines Mannes: Erdogan. Scheinbar anknüpfend an das von Staatsgründer Kemal Atatürk wiedererweckte türkische Selbstbewusstsein, die Renaissance einer starken Nation nach dem schmählichen Untergang des Osmanischen Reiches in der Folge des Ersten Weltkrieges versammelt der aktuelle türkische Staatspräsident seit Beginn des Jahrtausends mit Atatürk auf der Fahne eine Mehrheit der Türken hinter sich - allerdings mit der Absicht, das Jahrhundertwerk des »Vaters der Türken« zu konterkarieren.

Atatürks Vorbilder von einer zukunftsorientierten Gesellschaft, damals in den 20er/30er Jahren, lagen in Westeuropa. Für ihn war sie untrennbar verbunden mit einem konsequenten Laizismus. Und diesen setzte er zu Hause rigoros ins Werk. Selbst der von ihm durchgedrückte Wechsel von arabischer auf lateinische Schrift hatte auch den Zweck einer Entfernung des Islam aus dem öffentlichen Leben. Die Frage der Lettern scheint heute zwar irreversibel, auf vielen anderen Feldern des öffentlichen Lebens aber hat Erdogan den Rückwärtsgang eingeschaltet. Und zielt jetzt auf die bisher klarste Niederlage der Säkularisten in Ankara.

Wäre eine islamische Verfassung eigentlich EU-kompatibel? Ein schnelles Nein verbietet sich, denn das Kaczynskische Staatsmodell in Polen ist von dem Erdogans so weit nicht entfernt. Es hat nur ein anderes Vorzeichen.

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