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Studie: Reiche erben viel, Arme bleiben arm

Erbschaften aus dem reichsten Fünftel der Bevölkerung im Schnitt bei 304.000 Euro, aus dem untersten Fünftel im Schnitt bei 97.000 Euro / Forscher: Erbschaftssteuer allein bringt keinen sozialen Ausgleich / Zusätzliche Vermögensbesteuerung nötig

Einmal arm, immer arm: Diese Grundregel des Kapitalismus gilt in Deutschland umso mehr innerhalb der Familie, weil Vermögen und Erbschaften kaum besteuert werden. Eine aktuelle DIW-Studie kommt zu deutlichen Ergebnissen.

Berlin. Von Erbschaften und Schenkungen profitieren in Deutschland vor allem Gutverdiener. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin erben einkommensstarke Haushalte öfter und erhalten deutlich höhere Beträge als einkommensschwache. Das verstärke die »bestehende Chancenungleichheit und die resultierende ökonomische Ungleichheit«, schreiben die Autoren der Untersuchung.

Laut Studie empfangen die einkommensstärksten 20 Prozent aller Haushalte in Westdeutschland doppelt so häufig Erbschaften oder Schenkungen wie das einkommensschwächste Fünftel. Außerdem bekommen sie höhere Summen: Die Erben oder Beschenkten, die zum am besten verdienenden Fünftel zählen, erhielten im Schnitt 304.000 Euro, Empfänger von Erbschaften oder Schenkungen im untersten Fünftel bekamen im Schnitt 97.000 Euro.

Als Ursache sehen die Forscher unter anderem eine niedrige soziale Mobilität. Bei Bildung und Einkommen unterschieden sich Eltern- und Kindergeneration kaum. Nicht nur Vermögen, auch der soziale Status werde in hohem Maße vererbt. »Wer aus vermögendem Hause kommt, erzielt überdurchschnittlich oft selbst ein hohes Einkommen und kann sich darüber hinaus öfter über Erbschaften und Schenkungen freuen«, stellen die DIW-Mitarbeiter Christian Westermeier und Markus Grabka sowie Anita Tiefensee von der Berliner Hertie School of Governance fest.

Dieser Vermögenspolarisierung beim Übergang auf die nächste Generation habe die Steuerpolitik wenig entgegengesetzt, hieß es weiter. Das Aussetzen der Vermögenssteuer, Erleichterungen bei der Unternehmens- und Kapitalertragsbesteuerung sowie niedrige Spitzensteuersätze auf hohe Einkommen hätten die ökonomische Ungleichheit erhöht.

Auch die von Ausnahmeregelungen geprägte Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen halten die Wissenschaftler nicht für geeignet, der Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken. Durch hohe Freibeträge, die sich nach zehn Jahren erneuern, könne in Deutschland auch Privatvermögen »fast steuerfrei an die nächste Generation übertragen werden«. Um die Bildungs- und Einkommensmobilität zu erhöhen, empfehlen die Forscher daher, »zusätzliche Einnahmen aus vermögensbezogenen Steuern« zu nutzen.

Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf gefördert. Grundlage waren Daten des Household Finance and Consumption Survey der Europäischen Zentralbank, einer repräsentativen Befragung von Personen in privaten Haushalten. epd/nd

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