Befreiung versus Zusammenbruch

Erinnerungen der Fürstenbergerinnen und Fürstenberger an das Kriegsende 1945

  • Von Annette Leo
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Über 150.000 Menschen pferchten die Nazis 
im KZ Ravensbrück ein – vor allem Frauen und Kinder. 
28.000 wurden hier Opfer des Regimes. 
Ravensbrück gehört heute zum brandenburgischen Fürstenberg. Wie erinnern sich Anwohner?

Am frühen Nachmittag des 30. April 1945 erreichten erste Einheiten der sowjetischen Armee das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und zogen in das nahe gelegene Städtchen Fürstenberg ein. Die Zeiger der Uhr im Turm der SS-Kommandantur von Ravensbrück bewegen sich seit langem nicht mehr. Sie sind bei kurz vor drei stehengeblieben und schreiben damit, Zufall oder nicht, etwa den Zeitpunkt des historischen Bruchs fest, an dem das Lager aufhörte, ein Lager zu sein, und an dem das idyllische Kurstädtchen Fürstenberg von sowjetischen Militäreinheiten besetzt wurde, die letztlich erst fünfzig Jahre später wieder abziehen sollten.

Dieser Bruch hatte notwendigerweise für die Häftlinge eine grundlegend andere Bedeutung als für die Bürgerinnen und Bürger des Ortes. Er trennte sie und führte sie gleichzeitig einen historischen Moment lang so nahe zusammen, wie sie es in den Jahren der Existenz des Konzentrationslagers nie gewesen waren. Das...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.